Mama und Kind

Mein Kind hört nicht und provoziert nur! 10 Wege aus der Krise

Dein Kind hört nicht und provoziert nur. Du kommst dir vor, als würdest du vollständig ignoriert. Das macht dich wütend und ungeduldig. (Lies auch hier)

Du sagst alles 20 Mal und nichts passiert. Und wenn du “Stop” schreist, gibt dein Kind erst Recht noch Gas.

Dein Mann oder deine Schwiegermutter sind überzeugt: Du hast das Kind verzogen, wenn es nicht hört und provoziert! Das tut weh. Und nervt. Und dagegen werden wir hier und heute etwas tun!

Mein Kind hört nicht auf mich und provoziert!

Wenn du willst, dass dein Kind immer und sofort auf dich hört, musst du Stock und Rute wieder einführen. Denn geschlagene Kinder hören aufs Wort. Immer.

Wenn also Tante Gertrude der Ansicht ist, deine Kinder hören nicht und provozieren nur, dann kannst du sie ab jetzt anlachen und stolz verkünden: “ja, das liegt daran, weil ich sie nicht schlage. Das ist nämlich Gewalt. Und die ist schlimm und verboten außerdem!”

Jedes einzelne Mal, wenn dein Kind also auf dich hört, dann tut es das, weil es sich für dich entscheidet, es hört aus Liebe zu dir. Mach dir das ganz stark bewusst!

Was ist eigentlich provozieren?

Du bist Mama. Ich muss dir nicht beschreiben, wie das aussieht, wenn ein Kind nicht hört sondern provoziert. Wir kennen das alle! Es macht uns rasend.

Aber was ist das eigentlich, wenn ein Kind provoziert? Kinder haben ein sehr feines Gespür für Kommunikation und Beziehung. Warum?

Weil sie schon von Geburt an davon abhängig sind, dass der Erwachsene ihnen gegenüber gut gestimmt ist, ihnen Nahrung und Wärme gibt, sowie Zuwendung und Liebe. Denn Kinder/Babys/Menschen sterben, wenn sie diese nicht erhalten.

Und was hat das mit Provozieren und nicht hören zu tun? Ist das nicht widersprüchlich?

Wenn etwas in eurer Beziehung also schief läuft, dann zeig dir dein Kind das sofort mit seinem Verhalten.

Kinder wissen aber nicht, wie sie es in Worte fassen sollen, sondern fangen an ein Verhalten zu zeigen, das eigentlich ihre Angst ausdrückt, ihre Verletzung und ihre Wut darüber, wie es gerade läuft.

Wir werden uns gleich ansehen, was passiert, bevor ein Kind anfängt zu provozieren. Und du wirst sehen, dass diese Provokation eigentlich ein tieferliegendes Gefühl zeigt. Ein Gefühl, dass dein Kind noch nicht ausdrücken kann. (Ich werde die Botschaft deines Kindes im folgenden Text Fett markieren, dann ist es noch klarer)

Darum hört dein Kind nicht auf dich und provoziert nur:

1. Seine Integrität ist von deinen Worten verletzt worden

Ständig machst du dich schmutzig, pass doch einmal auf”. Das ist ein normaler Satz, den wir an ganz normalen Tagen zu unseren Kindern sagen könnten, oder?

mach dich nicht schmutzig

Bildnachweis: Pixabay, distel2610

Versuche einmal dir vorzustellen, dein Partner würde genau diesen Satz zu dir sagen. Wie fühlst du dich? Du willst dich bestimmt verteidigen. “Gar nicht immer!” Und fühlst dich davon getroffen und verletzt.

So geht es deinem Kind auch. Deshalb springt es dann erst recht in die Pfütze. Es kann nicht anders, denn es will seine innere Integrität (seine Heilheit, seine Ganzheit) schützen. Und dir etwas wichtiges mitteilen: “Du hast mich verletzt!”

Besser wäre: “Geh um die Schlammpfütze herum, wir brauchen deine Hose heute noch!”

2. Du hast es provoziert (ja, echt!)

Eigentlich denken wir, nur Kinder provozieren, oder? Aber in Wirklichkeit gibt es leider unheimlich viele unbewusste Momente, in denen wir unsere Kinder stark provozieren.

Beispiel: “Du isst wie ein Ferkel!” Oder noch schlimmer: (Im Gespräch mit der Freundin) “Mein Kind isst wie ein Ferkel!”

Aus dieser Abwertung heraus, fällt es deinem Kind unheimlich schwer, nachgiebig und großzügig zu reagieren und sich zu bemühen, ab jetzt schöner zu essen. Du machst es mit diesem Spruch (am besten noch vor fremden Personen am Tisch) nahezu unmöglich. Jeder gesunde und starke Mensch würde jetzt seinen Kopf in den Teller stecken und möglichst laut und eklig schmatzen, oder?

Botschaft: “Du hast mich verletzt und bloßgestellt!”

Besser: (geflüstert, damit es keiner hört, außer das Kind): “Soll ich dir die Spaghetti schneiden? Die verspritzen sonst alles!”

3. Seine Bedürfnisse stehen dem “Gehorchen” im Weg und deshalb hört dein Kind nicht auf dich und provoziert

Selbstbestimmung ist ein Grundbedürfnis. Wirksamkeit auch. Diese beide inneren Bedürfnisse sind nicht nur bei Kindern ernst zu nehmende Bedürfnisse und wenn sie zu lange weg geschoben werden, führen sie zu Trauer und Zorn.

Du wirst jetzt bestimmt schon grinsen. Natürlich weißt du, was ich damit meine: Dein Kind möchte selber bestimmen. Und es möchte, dass das, was es tut, einen Effekt hat. Es möchte Selbstwirksam sein, also wichtig.

Darum hört dein Kind dann nicht: es hat sein Bedürfnis zu lange weg geschoben und kann einfach nicht mehr! 

Botschaft: “Ich habe mich wirklich bemüht, lange bemüht, auch wenn du es nicht siehst. Aber jetzt kann ich nicht mehr!”

4. Deine Worte und deine Gedanken passen nicht zusammen (Kinder sind kleine Hellseher)

Das ist kein Witz. Wenn du denkst: “Ach, ist doch eigentlich gar nicht so schlimm” oder “naja, ist halt ein Kind” – und gleichzeitig verlangst: “Iss mit Messer und Gabel und nicht mit den Fingern”, spürt dein Kind das.

Es spürt also, dass da zwei widerstreitende Anweisungen in dir sind. Einmal, dass du es gar nicht so unverständlich findest, dass dein Kind mit den Fingern isst. Und dann deine eigene Erziehung, die verlangt, dass man nicht mit den Fingern isst.

Auf was soll es also hören? Auf dein Gefühl (nicht so schlimm) oder auf deine Worte? Kinder sind kleine Hellseher, du kannst sie nicht veräppeln. Sie merken das! Oder um Bellatrix Lestrange aus Harry Potter zu zitieren: “Du musst es auch wirklich wollen!”

Botschaft: “Jetzt bin ich verwirrt. Was soll ich tun?

5. Könntest du das bitte aufräumen? Okay?

“Nicht fragen, sondern Anweisen!” (Das sagt sich auch Hera Lind in “Superweib” ständig)

Nichts hören ist praktisch

Bildnachweis: Pixabay: Ben_Kerckx

“Könntest du bitte aufhören, deine Schwester zu hauen? Okay?” Hm. Nö. Keine Lust. Danke der Nachfrage:-)

Wenn du unsicher, dünn oder fragend klingst, dann ist das ähnlich wie bei den Worten, die nicht zu deinen Gedanken passen: dein Kind bekommt verschiedene Informationen von dir. Einmal die unsichere Haltung, das Fragen, einmal die Worte.

Wonach soll es sich jetzt richten?

Botschaft: “Das verunsichert mich. Was willst du von mir? Soll ich die Führung übernehmen?”

5. Das Wort “Nicht” hört ein Kind nicht

Negierungen verarbeitet dein Gehirn nicht gut. Und das von Kindern erst recht nicht. (Diese Information stammt aus “Das Gewünschteste Wunschkind aller Zeiten, treibt mich zum Wahnsinn”).

Du sagst: “Nicht den Ofen anfassen!”

Dein Kind hört: “Den Ofen anfassen!”

Klar, was es macht? Es hört. Und fasst den Ofen an. Autsch!

Besser ist also: “Komm her!” oder: “Geh ins Wohnzimmer zu deinem Bagger!”

6. Dein Kind hat die Manipulation durchschaut und fühlt sich betrogen

Ich weiß, es gibt Erzieher oder Pädagogen, die manipulieren. “Du bist doch schon groß und stark, oder..? Dann kannst du doch den Müll schon raustragen”  oder: “Oma würde es total freuen, wenn du ihr einen Kuss geben würdest!” Es funktioniert vielleicht. Solange dein Kind das nicht durchschaut.

Aber in meinen Augen ist es ein Betrug, der deine Beziehung zu deinem Kind belastet. Und damit dein Kind auf dich hört brauchst du eine saubere und unbelastete Beziehung.

Kinder sind keine Idioten. Sie spüren versteckte Manipulationen und fühlen sich betrogen. Irgendwann werden sie darauf nicht mehr hereinfallen oder sich sogar stark verletzt fühlen. Allerspätestens in der Pubertät fliegt euch das um die Ohren.

Botschaft: “Ich spüre, das da eine Lüge ist. Das verletzt mich sehr!”

7. Die andere Motivation ist gerade extrem stark

Ähnlich wie mit den Grundbedürfnissen nach Selbstbestimmung gibt es Motivatoren, die sehr stark ziehen. Eis. Ferngesteuertes Auto. Babykatze. Dem Bruder eine reinhauen.

Es kann sein, dass diese Motivation gerade so stark ist, dass sie dein Rufen gerade einfach ausschaltet. Das Gehirn eines Kindes arbeitet noch längst nicht so kontrolliert wie unseres. Hier ist die emotionales Seite sehr viel stärker (Der Präfrontale Kortex ist noch nicht fertig ausgebildet).

Und selbst bei uns gibt es doch Motivationen, die stärker ziehen als die Stimme der Vernunft. Die Schokolade. Der Liebesfilm. Das Ausschlafen.

Botschaft:Tut mir leid. Aber das MUSS ich jetzt tun

8. Deine Worte sind nicht glaubhaft

“Wenn du nicht sofort aufhörst, dann dreht der Pilot um und fliegt zurück!” Michael Mittermayer, der Kabarettist machte sich schon vor Jahren über uns Eltern lustig.

Natürlich sind wir Eltern in diesen Augenblicken einfach Hilflos und uns ist nicht nach Lachen zumute, aber wann immer wir Eltern uns hier diesen Satz sagen “…und der Pilot dreht um und fliegt zurück”, dann müssen wir ein bisschen lachen und können diesen Pädagogenscheiß wieder zurück nehmen.

Botschaft: “Meinst du das jetzt ernst? Willst du mir Angst machen?”

Besser: “Oh man, ich weiß grad einfach nicht weiter. Wie soll ich dich davon abbringen, das zu machen? Verkitzeln?” Mein größter Sohn würde mir inzwischen grinsend vorschlagen das Taschengeld zu erhöhen oder ihm ein Eis zu kaufen. Aber die Liebe zu uns ist groß genug: er hört dann trotzdem damit auf.

9. Zu viel Blabla

“Lass das endlich mal sein, mich nervt das so, dein Bruder bekommt schon Kopfweh davon, ich kann es einfach nicht leiden, außerdem wird deine Hose davon ganz schmutzig, dann muss ich wieder waschen, dazu habe ich keine Lust, dann lasse ich ab jetzt dich die Wäsche aufhängen und außerdem reicht das Geld nicht um stäääändig neue Hosen zu kaufen…”

Blabla.. was?

Dein Kind hat wahrscheinlich Erfahrung mit diesen verbal-Ergüssen von dir und schaltet nach dem 2. Wort ab.

Botschaft: “Ähm.. was?

Besser: “Hör auf. Jetzt”.

Provoziert?

Bildnachweis: Pixabay: 28703

10. Nur über meine Leiche!

Es gibt “Neins” oder Ansagen, die sind uns unheimlich wichtig. Wirklich, wirklich wichtig. Nach und nach finden wir heraus, was uns wichtig ist.

Mir ist es zum Beispiel wichtig, dass meine Kinder lernen, ihre Sachen aufzuräumen. Nicht mal unbedingt das Spielzeug, sondern Kleinigkeiten wie einen Pullover, der ihnen gerade nicht mehr gefällt und einfach, ganz frisch rausgezogen und in eine Ecke gepfeffert wird.

Hier bestehe ich darauf, dass dieser Pullover aufgeräumt wird. Und zwar mit einer Überzeugung die in meinem Inneren ungefähr so klingt: “du wirst diesen Pullover aufräumen und wenn es das Letzte ist, was wir heute tun! Was wir jemals tun!”

Du kannst nach und nach diese Dinge, die dir wichtig sind, zu den Wenigen machen, auf die dein Kind wirklich hören muss. Und dafür ein paar läppische und halblebige: “Sowas macht man aber nicht”-Blablas weglassen.

Eine starke Beziehung ist die beste Voraussetzung dafür, dass dein Kind auf dich hört!

Wenn du versuchst deine “Man macht das nicht” – Sätze möglichst auf einen 0 Punkt zu reduzieren und deinem Kind wie einem Menschen zu begegnen, dann wird es auch auf dich hören.

Das ist aber abartig schwer. Denn wir sind schließlich noch mit viel Erziehung aufgewachsen. Unsere Eltern waren oft noch stark der Meinung, man müsse uns erziehen, sonst würden wir nichts werden.

Deshalb sind auch die automatischen Mama-Sprüche sehr stark in uns drin und brechen bei jeder Gelegenheit aus uns heraus. Und dann hört dein Kind nicht und provoziert.

Wie mache ich das denn? Mein Kind wie einen Menschen zu behandeln?

1.     Wir sind in der Trotzphase

Es ist schön, dass so viele Eltern sich stark für die Entwicklung ihrer Kinder interessieren. Daraus ist aber in meinen Augen ein Selbstläufer entstanden.

Kinder werden generell in irgendwelche vorgefertigten “Phasen” eingeteilt. Das ist eine neue Art der Abwertung: anstatt das Kind als Menschen mit Bedürfnissen zu sehen, ist es gerade eine “Trotzphase”.

Vielleicht ist es ja auch ganz anders? Vielleicht sind Kinder mit 3 gar nicht in der Trotzphase, sondern Eltern noch immer nicht mit ihrer neuen Selbständigkeit einverstanden? Vielleicht hat Mama eigentlich die “Trotzphase”: sie will das Kind noch immer so stark bevormunden, wie als Säugling und hat Mühe mit der schnellen Veränderung ihres Kindes mitzuhalten?

2. Ernst nehmen

Der Zorn, der also als “Trotzphase” abgetan wird, ist ehrlich, echt und sollte ernst genommen werden. “Natürlich ärgert dich das, wenn ich dir verbiete, Sandalen anzuziehen. Sie gefallen dir viel besser als die Gummistiefel”.

Auch wenn es manchmal lustig ist oder uns sehr hilflos macht, wie zornig das Kind auf uns reagiert, ist es wichtig, es nicht als Phase abzutun, sondern ernst zu nehmen.

Wichtig: das bedeutet nicht, wenn ich es ernst nehme, muss ich jetzt machen, was mein zorniges Kind verlangt! Sandalen bei Regen sind nicht adäquat! Aber der  Zorn absolut verständlich und ernsthaft.

3. Strafe

Um ein Kind wie einen Menschen zu behandeln, ist es wichtig, nicht zu strafen. Wir strafen ja auch unseren Partner nicht, weil er die Socken nicht aufgeräumt hat, oder?

Wie würdest du dich fühlen, wenn du dir ungefragt ein Buch kaufst und zur Strafe streicht dir dein Partner das Geld für den nächsten Monat? Ziemlich schlecht und wütend, oder?

Eine Strafe bringt euch weiter auseinander wie den Bodensee von China. Und damit dein Kind auf dich hört, ist das zwar im ersten Moment total effektiv, aber sobald deine Beziehung leidet, wird dein Kind nicht mehr freiwillig auf dich hören. Echt.

Beziehung auf Augenhöhe

Bildnachweis: Pixabay: ParentRap

4. Logische und echte Konsequenzen dürfen

Strafen mag ich gar nicht. Und sie führen nur dazu, dass du dich von deinem Kind entfernst. Um aber echt und menschlich zu sein, ist es sehr wohl sinnvoll deinem Kind deine eigenen Grenzen mitzuteilen.

Beispiel: “Ich bin total müde, wenn du dich jetzt nicht schnell umziehst, lese ich dir nicht mehr vor” – oder noch besser: “Zieh dich jetzt schnell um, dann kann ich dir noch gut vorlesen. Ansonsten bin ich nämlich bald viel zu müde dafür”.

Das ist eine logische Folge daraus, das meine Kraft am Abend begrenzt ist und ich irgendwann wirklich nicht mehr lesen mag. Das ist keine Strafe, es ist menschlich. Es ist nicht von oben herab, sondern auf Augenhöhe.

Außerdem zeigt es deinem Kind eine gute Motivation auf, zu hören: “Wenn ich mich beeile, liest Mama mir noch vor!”

Beispiel

“Solange die Kontrollinstanz in deinem Gehirn noch nicht so gut gereift ist, werde ich dich an der Straße durch das Halten deiner Hand kontrollieren – da es mir ohne sonst zu gefährlich ist”

Natürlich kannst du das weniger kompliziert formulieren: “An der Straße gehst du an meiner Hand. Bis du auf mich hörst”.

Hier handelt es sich um eine logische Konsequenz: Es ist keine Strafe, um deinem Kind weh zu tun, sondern eine Maßnahme, um Schmerzen zu verhindern.

5. Lob

Viele Pädagogen sagen, man solle möglichst viel loben. Lob, das nicht von Herzen kommt ist in meinen Augen eine Manipulation und die ist unecht und wird irgendwann vom Kind durchschaut (siehe: 6. Dein Kind hat die Manipulation durchschaut und fühlt sich betrogen)

Lob sagt auch: “dies ist gut” – und damit bist du “Gott” und entscheidest im Leben deines Kindes was gut und was schlecht ist. Es stellt dich über dein Kind und das macht deine menschliche Beziehung zu ihm dünner.

Besser ist: “Wow, das gefällt mir aber super gut!” (Dies ist eine subjektive Aussage und absolut ok: mir gefällt das)

Mein Kind hört nicht und provoziert- obwohl Jesper Juul sagt, jedes Kind will kooperieren!

Kooperation ist ein ganz besonderes Kapitel: Jesper Juul, der berühmte Familientherapeut hat diesen Satz geprägt: “Jedes Kind will kooperieren” und da stimme ich voll zu. Doch als ich es zum ersten Mal hörte, dachte ich: “Ja, jedes vielleicht, aber meins nicht!”

Um diesen Willen bei deinem Kind wirklich zu sehen, bedarf es einiger Übung. Aber er ist da. Auch bei deinem Kind. Versprochen.

Kooperation bedarf der Freiwilligkeit. Wenn du alles aus dem Kapitel “Darum hört dein Kind nicht auf dich” beachtest, dann wird dein Kind kooperieren. Echt.

Oft ist aber das Kooperationsfass schon leer

Und dann funktioniert einfach gar nichts mehr. Wenn du dir den Willen zur Kooperation bei deinem Kind wie ein Fass vorstellst, dann schöpft jedes Kooperieren ein bisschen davon ab.

Wenn dein Kind z. B. in die Schule geht, kooperiert es in der Regel den ganzen Morgen lang. Auch im Kindergarten wird oft mehr Kooperation gefordert, einfach wegen der großen Gruppen. Und dann kommt es heim und sein Fass ist einfach leer.

Es will ja. Aber es kann einfach nicht mehr kooperieren. Sonst würde es sich selbst nicht mehr spüren, wäre nicht mehr da. Jetzt müssen erst viele eigene Bedürfnisse erfüllt werden, bevor das Fass sich wieder füllt.

Wenn du das bei deinem Kind spürst, kannst du Rücksicht darauf nehmen

Deshalb ist es gar kein Problem, wenn du dein Kind aus der Schule abholst und ihm beim Heimkommen die Jacke aufhängst, auch wenn ein Schulkind das ja wohl schon selber kann.

Wenn du deinem Kindergartenkind den Rucksack vom Kindergarten trägst.

Denn es kann einfach nicht mehr, es fühlt sich müde und ausgelaugt und braucht einige Zeit, um sich wieder zu “füllen”, wieder zu sich zu finden und es selbst zu sein. Und das kann es am besten zu Hause in Ruhe und mit deiner Hilfe.

Doch wenn das Kind scheinbar trotzdem nicht kooperiert?

Dann kann es gut sein, dass eine gegengleiche Kooperation vorliegt: Deine Worte stimmen nicht mit deinem Inneren überein und dein Kind kooperiert eher mit deinem Inneren, als mit deinen Worten.

Z. B. wenn eine Mutter absolut nicht die Führung zu Hause übernimmt, ihre Anweisungen wie Fragen klingen und sie sofort einknickt, wenn etwas nicht funktioniert:

Dann übernimmt das Kind oft die Führung, denn es spürt, dass du es nicht tun willst und einer muss ja. Um das Kooperieren jetzt noch zu erkennen, braucht es manchmal einen Blick von Außen und hier kann ich dir mit meinem “Familiensupport” sehr gerne helfen und zur Seite stehen.

Mein Kind hört nicht und provoziert – oder merke ich es nur nicht?

Hört das Kind doch?

Bildnachweis: Pixabay: sasint

Oft hören Kinder nicht sofort. Machen aber trotzdem, was gesagt wurde.

Oft hören Kinder nicht genau auf die Weise, wie wir sie uns vorstellen!

Achte genau auf dein Kind, beobachte es, schreibe vielleicht sogar mal einen Tag lang auf: finde eine Situation, in der es auf dich gehört hat. Und freue dich daran!

Erwarte nicht, dass dein Kind wie ein Automat funktioniert. Denn das tun nur Kinder, die geschlagen werden und das ist schlimm und macht dein Kind kaputt.

Beobachte mit Liebe: du wirst garantiert mindestens eine Sache am Tag finden, wo dein Kind macht, was du sagst. Und dann erhöhe auf Zwei!

Deine Susanne

 

Falls du mehr zu dem Thema lesen willst, dann empfehle ich dir, hier weiter zu machen

Bildnachweis: Titelbild: TheoRivierenlaan / 187 Bilder

7 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Hallo Susanne!
Ich habe deine Seite heute entdeckt und bin begeistert! Vielen Dank, dass du deine Gedanken teilst!
Der Artikel hat mich sehr berührt! Durch dein Eingangsbeispiel fühle ich mich leider ertappt. V.a. mit meinem Großen (6) läuft die Kommunikation oft so ab. Und ich merke schon lange, dass ich raus aus diesem Machtkampf möchte.
Zu deinen Beispielen am Ende, hab ich eine Frage. Was mache ich, wenn mein Wünsche ( z.B. kein rülpsen, schreien, trommeln am Esstisch) nach mehrmals sagen nicht gehört werden? Momentan schwanke ich zwischen ständig wiederholen, ignorieren oder doch wütend werden und schreien. Und alles fühlt sich falsch an. Hast du einen Rat?

Antworten

    Hallo Judith!
    Vielen Dank, das freut mich total, dass dir meine Seite gefällt und hilft!
    Mit meinem Größten bin ich auch lange noch machtvoll umgegangen, das man oft daran merkt, dass er eben schnell selbst in den “Kampf” geht. Und woher hat er das? Von mir, denn ich habe es ihm vorgelebt. Für diesen Fall braucht man dann besonders viel Geduld und einen langen Atem, denn diese Verhaltensmuster wieder zu ändern ist schwer. Ich hatte sogar manchmal den Eindruck, wenn ich dann doch noch “explodiert” bin, er fast wie “erleichtert” war: nicht, weil es ihm so gut gefällt, sondern weil es bekannt ist. Verstehst du? Also kann es sein, dass er in dem Moment, wo du zu ihm sagst, er soll ruhiger beim Essen sitzen und nicht rülpsen und trommeln, gar nicht kooperieren kann, weil er 1. ein Verhaltensmuster zwischen euch beiden verfolgt und 2. ein Bedürfnis dahinter steht, dass ihm sehr wichtig ist. Ich kann ohne weitere Informationen aber nicht sagen, was das sein könnte. Vielleicht die Bitte um Übereinstimmung oder klassisch Aufmerksamkeit? Ich würde an deiner Stelle versuchen, das Gespräch zu lenken. Frage ihn etwas, oder erzähle einfach etwas. Ich weiss ja nicht, ob du mit ihm allein sitzt oder noch andere Kinder (oder der Vater) dabei sind. Vielleicht hat er auch einfach den Drang nach Bewegung und Lärm: vielleicht steht er unter Strom, wie man so schön sagt. Kannst du ihm vorschlagen, einmal ums Haus zu rennen? Oder ganz unkonventionelle Angebote machen, wie Picknick im Garten, oder sowas? Du musst dir ganz wichtig klar machen: das bedeutet nicht, dass es jetzt immer so sein wird. Es ist einfach jetzt so, dass ihr aus einem Muster heraus kommen müsst (wollt) und da braucht man natürlich mehr Energie dafür, als wenn man von vorn herein ein positiveres Muster verfolgt hat. Falls du trotzdem noch Schwierigkeiten hast, oder nicht weiter kommst heraus zufinden, was er für ein Bedürfnis haben könnte, dann können wir gerne auch mal ein kostenloses Erstcoaching machen:-) Oder auch per Email die Situation näher anschauen!
    ich hoffe, das hilft dir weiter,
    ganz liebe Grüße
    Susanne

    Antworten

Vielen Dank für deine schnelle Antwort!
Wenn du dir die Zeit nehmen möchtest, würde ich dir unsere Situation in einer E-Mail sehr gerne näher beschreiben.

Antworten
Angela Schütte
25. März 2019 20:49

Hallo Susanne.
Ich finde das super was du schreibst und du hast da auch vollkommen Recht mit. Und bin auch eher dafür der kleinen eigenen Persönlichkeit beim groß werden zu helfen und nicht wie bei der Bundeswehr vor zu schreiben wie man zu sein hat. Es ist nicht immer leicht das so umzusetzen. Es ist auch ein Kampf mit den Umfeld die noch oft die alten Erziehungsmethoden haben. Aber dagegen kämpfe ich an. Was mich immer wieder doch wütend werden lässt ist das sie sich einfach nicht bewegt egal was, man muss sie ständig auffordern ablenken oder bitten das sie doch endlich Schuhe anzieht oder egal was es ist es zieht sich durch den ganzen Tag. Ich plane schon immer viel mehr Zeit ein und trotzdem werden wir dann beide immer wütend. Meine kleine Tochter fast 4 und ich. Ich kann mich selbst schon nicht mehr hören. Es ist schade und vertane Zeit die man besser und schöner nutzen kann.
Viele Grüße
Angie

Antworten

    Hallo Angie
    danke für deine Antwort. Natürlich ist es schwierig mit dem Umfeld im Einklang zu sein und klar zu kommen, wenn die oft ganz anderer Meinung sind. Über das andere Thema mit deiner Tochter können wir gemeinsam gern mal sprechen und genauer hinschauen. Du darfst dich gerne bei mir melden!
    liebe Grüße
    Susanne

    Antworten

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