Warum leckt der Hund sich am Hintern?

Weil er es kann.

Tut mir echt leid für den derben Einstieg.

Aber ich musste einfach an diesen fiesen Spruch denken, als ich über Mental Load nachdachte.

 

Warum hilft dein Mann nicht mit und übernimmt keine Verantwortung?

Weil er es kann.

BAMM!

(Vergiss nicht am Ende des Textes für diesen Spruch über mich herzufallen!!!)

Mental Load – was ist das und warum tragen Mütter sie allein?

Familienvater Richy ist empört, wenn er das hört: Von wegen, Mütter müssen alles alleine machen!

Er trägt doch den Müll nach draußen. Und er räumt die Spülmaschine ein, wenn man es ihm sagt. Ganz artig.

Außerdem hat er Sohn Jakob zu einer Geburtstagsparty gefahren und er hat Tochter Jenna die Windeln gewechselt. Ein paar mal. Ist sie nicht schon trocken? Wann sind Babys eigentlich nochmal trocken?

Aber auf jeden Fall schläft sie schon durch, seit sie 3 Wochen alt ist. Tolles Kind. Er hört sie nachts gar nicht. Das muss doch bedeuten, dass sie schon längst durchschläft, oder?

Zeichnerin “Emma” aus Frankreich hat es in ihrem Comic über Mental Load auf den Punkt gebracht:

Was nach außen hin emanzipiert wirkt, ist in Wahrheit in den meisten Wohnzimmern altmodischer, als wir es selbst glauben wollen: Die Frau geht arbeiten und ganz egal, wieviel Geld sie verdient, trägt sie zu Hause die ganze Verantwortung.

Sie denkt an alles.

Sie erledigt alles.

Und sie muss ihrem Mann auch noch die Arbeit nachtragen, wenn er überhaupt mal helfen soll.

Das glaubst du nicht? Dann befrage doch – egal welche Mama, die du kennst. Befrage sie wirklich. Versuche nicht, dich mit einer “Bei uns ist alles ok”-Antwort abspeisen zu lassen.

Denn manchmal ist es Mamas gar nicht so richtig bewusst: warum sie ständig so k.o. sind und am Limit gehen. Sie rödeln einfach immer weiter, bis sie mit ihren Nerven am Ende sind. Und dann googlen sie im Internet: “Ich habe mein Kind angeschrien, bin ich eine schlechte Mama?”

Wie schaffen es Männer, sich vor Mental Load (der Mentalen Last) zu drücken?

Mental Load

Bildnachweis: Photo by Artem Beliaikin on Unsplash

1. Er tut es einfach

Wenn Richy auf Jakob aufpasst, spielen sie zwei Runden Schach. Dann baut Jakob Lego und Richy sitzt am Computer und spielt.

“Ist doch nicht so schwer, dieses Babysitting”, denkt Richy. Wenn Milla nach Hause kommt ist nichts gemacht. Die Wäsche nicht, kein Essen, das Kinderzimmer ist im Chaos und Jakob hat das Kinderturnen verpasst. Außerdem muss er noch Mathe machen und fünf Sätze schreiben. Dazu ist er jetzt aber zu müde.

Milla möchte auf den Boden liegen und heulen. Wie soll sie um diese Uhrzeit jetzt noch schnell alles nachholen, was Richy nicht gemacht hat? Das kann sie nicht schaffen.

Und warum in Luzifers Namen fällt sie nicht brüllend und zähnefletschend über Richy her? Weil sie ihre Kinder vor diesem Streit schützen will.

2. “Das geht nicht”

Richy musste mit Jakob zum Zahnarzt.

Jakob schrie beim Zahnarzt und weinte.

Richy sagt: “Das mach ich nicht mehr, das geht nicht”. Und weil er das so nachhaltig und dabei irgendwie unterdrückt aggressiv klingt, geht Milla das nächste Mal selbst mit Jakob zum Zahnarzt. Jakob schreit und weint genauso – aber Milla steht ihren Mann äh… Frau.

Auch weil Jakob nicht noch einen schlecht gelaunten Papa dabei haben soll, wenn er Angst vor dem Zahnarzt hat.

3. Gereiztheit ist ein perfekter Schild gegen Mental Load

“Ständig nörgelst du. Das verdirbt mir die Lust zu helfen”.

Klar. Weil sie genörgelt hat, hat er aufgehört zu helfen. Weil wenn er denn mal was tut, dann sollte sie einen roten Teppich ausrollen und in Tränen der Dankbarkeit ausbrechen und sofort und auf der Stelle Sex mit ihm wollen.

Anstatt ihn auch noch darauf hinzuweisen, dass Actionfilmegucken nicht das geeignete Einschlafritual für ein Zweijähriges ist.

4. Weil er es kann

  • Du kapitulierst, weil dein Mann gereizt reagiert, behauptet “das geht nicht” oder es einfach nicht tut.
  • Weil du Harmonie willst und deine Kinder vor Streit schützen
  • Weil du zu k.o. bist um dich noch zu wehren
  • und weil es leichter ist, es selbst zu tun.

Deshalb kann dein Mann sich vor Mental Load drücken.

Generationen ohne Vater – das ist der wahre Grund dafür, warum dein Mann dir Mental Load überlässt

Wo war der Vater von deinem Mann?

Hat er den Haushalt gemacht? Oder ihn getröstet und bestärkt? Hat er sich liebevoll um seine Kinder gekümmert?

Hatte dein Mann ein starkes und liebevolles männliches Vorbild?

Und was war mit dem Vater vom Vater? Und dessen Vater?

Kürzen wir das ganze ab und ich verrate dir einfach direkt: die letzten 5 Generationen sind laut der Hirnforscherin V. Birkenbihl vaterlos aufgewachsen.

Bildnachweis: Bild von Capturing Life as it happens auf Pixabay

Denn nicht nur, dass viele Väter einfach nur in der Wirtschaft, der Politik, der Erwerbstätigkeit präsent waren, da gab es dann auch noch den Krieg, der tausende von Vätern verschluckt hat und nie wieder hergegeben. Und den Krieg davor.

Doch wie soll ein Junge lernen, was ein Vater ist, wenn er keinen hat?

Deshalb fühlt sich dein Mann so unsicher und unzulänglich und überlässt dir dieses ganze Projekt “Familie” und Mental Load.

Denn er hat das Gefühl:

  • du kannst das eh viel besser
  • er wird nicht gebraucht
  • er ist nutzlos.

Und weil die meisten Männer es auch wieder schwierig finden, diese Gefühle in Worte zu fassen, blocken sie einfach ab und lassen dich mit der ganzen Mental Load allein.

Und dann sagen sie: “Das geht nicht”, oder: “Lass mich in Ruhe”, oder: “Du nörgelst nur”, oder sie lassen es einfach sein und tun gar nichts.

Auch der Familientherapeut Jesper Juul hat in seinem Buch „Mann und Vater sein“ darüber geschrieben.

Die einzige Lösung?

Sorge dafür, dass er sich nicht mehr vor Mental Load drücken kann.

So einfach?

Ja.

Und doch so schwer. Und warum ist das so schwer?

Nicht nur die Männer sind ohne Vater aufgewachsen. Wir Frauen auch.

1. Wir wissen gar nicht, wie wir mit unseren Männern sprechen sollen.

“Wie kann ich überhaupt mit meinem Mann reden, damit er versteht?”, fragt Milla sich und seufzt. “Das ist zu anstrengend. Ich will das nicht tun.

Richy reagiert immer so wütend. Also lass ich ihm seine Ruhe. Er braucht ja auch Ruhe, damit er dann wieder Nerven für uns hat

Und irgendwann ist mir dann alles so zu viel, dass ich Richy nur noch anschreie, wie eine hysterische Kuh. Dann lässt er mich einfach abblitzen und schmollt. Dann bin ich wieder allein mit allem”.

2. Unser Wunsch nach Verbindung und Harmonie hält uns ab

“Manchmal wünsche ich mir so sehr Harmonie, dass ich einfach gar nichts sage. Außerdem möchte ich ja auch nicht, dass meine Kinder mit ständig streitenden Eltern aufwachsen…”, sagt Milla.

Um der Harmonie in der Familie willen, wagen wir Frauen es nicht, unseren Männern in den Weg zu treten (Oder noch woanders hin)

Wir schlucken und schweigen und kochen glühend vor uns hin.

3. Angst

Die meisten Frauen haben keine Angst vor ihrem Mann an sich.

Angst haben sie aber trotzdem und zwar vor

  • dem Konflikt an sich
  • Tagelangem Schweigen und mieser Laune
  • Schuld zu sein
  • Allein gelassen zu werden

Und deshalb trauen sie sich oft nicht Konflikte anzusprechen und empfinden Konflikte grundsätzlich als “zu anstrengend” und können sich schwer überwinden, damit anzufangen.

Deine einzige Chance?

Werde Konfliktfähig.

Konfliktfähig zu werden, bedeutet, dass man dem Konflikt nicht ausweicht, sondern ihm entgegen geht.

Es bedeutet, dass man den Konflikt als Chance sieht, damit sich etwas ändert.

Es bedeutet, man traut sich, sich in einen Konflikt zu begeben.

Und es heißt, man versteht, das ein Konflikt nicht ist, jemanden einfach anzubrüllen, bis der Arzt kommt. Denn vom Anbrüllen ist noch nie etwas besser geworden.

Für einen Konflikt brauchst du

Ruhe und Zeit

Kraft und innere Klarheit

Mut. Viel Mut.

Und dann kannst du das schaffen. Ich weiß, wie schwer es dir fallen wird. Immer wieder. Aber es lohnt sich. Denn ohne einen Konflikt, wird sich an der Gleichberechtigung in eurem Wohnzimmer nichts ändern.

Sei mutig und liebevoll,

Deine Susanne

 

Bildnachweis, Titelbild: Photo by NeONBRAND on Unsplash

2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • WorkingMum
    6. März 2020 15:16

    Liebe Susanne,

    ich finde den Artikel an sich sehr gut. Nur scheitert aus meiner Sicht der Lösungsansatz „Konflikt eingehen“ schon an den beiden Grundvoraussetzungen „Ruhe und Zeit“ und „Kraft und innere Klarheit“.
    Vollzeitjob mit Kindern und Haushalt – bei mir endet der Tag gegen 21 Uhr, manchmal später. Danach hätte ich zwar noch ein wenig Zeit bis ich müde ins Bett falle, aber die Kraft ist hinüber, ebenso die innere Klarheit.
    Beim Gegenüber ja auch.
    Da liegt der Streit schon greifbar nahe – es endet in der Frage „Wieso sollte er sich nach seinem furchtbar anstrengenden Tag auch noch sagen lassen, dass er nichts macht oder sich ändern müsse“. Andere machen ja viel weniger/ Bisher gings doch auch.

    WIE geht man in den Konflikt, damit er Erfolg hat?
    Jeden Abend das selbe ansprechen?

    Antworten
    • Hi WorkingMum
      Absolut verständlich. Ich kann dir aber sagen: Wenn keine Zeit für den Konflikt ist, dann wird er auf jeden Fall eskalieren.

      Meine ehrliche Antwort? Ja. Immer das Gleiche. Versuche immer wieder eine Sprache zu finden, für die dein Mann zugänglich ist (das muss absolut nicht weichgespült sein! Männer sind oft mit direkten Ansagen ganz glücklich). „Ich kann nicht mehr. Du musst mir helfen. Sonst gehe ich kaputt. Die Kinder brauchen einen Vater“.

      Ich habe nicht behauptet, dass es leicht wird:-)
      liebe Grüße,
      Susanne

      Antworten

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