Mama und Papa

Mein Mann kümmert sich um nichts: Wenn du dich fühlst, als ob du alleinerziehend wärst

“Mein Mann kümmert sich um nichts und ich muss alles alleine machen.” Wenn du vor lauter Hausarbeit erstickst und eigentlich mal eine Pause von deinen Kindern bräuchtest, wird dieser Gedanke schnell sehr laut.

Diese Situation ist so häufig, dass ihr ein ganzes Buch gewidmet ist (Alleinerziehend mit Mann, ein durchaus witziges Buch, leider ohne große Lösungsvorschläge). Und leider ist die Lösung auch nicht so einfach. Bestimmt hast du schon mal probiert, das Thema anzusprechen.

Lass mich raten: Wahrscheinlich gab es Streit und geändert hat sich nichts? Okay, Zeit zum Durchatmen, wir finden hier einen ersten Schritt zur Lösung!

Vater kümmert sich nicht: Was kannst du tun?

Natürlich hat Papa – Franz schon mal gewickelt. Er liest dem Großen auch mal was vor. Er scheint aber einfach nichts mitzukriegen, er sieht nicht wenn der Zweijährige wegläuft und merkt nicht, wenn das Baby herumgetragen werden will.

Er weiß offensichtlich nicht, wie stressig es ist, mit Baby zu kochen und reagiert oft obendrein noch missgelaunt und jähzornig, wenn etwas nicht so läuft, wie er es sich vorstellt.

Natürlich ist Mama Larissa sich darüber im klaren, dass sie einerseits doch nicht alleinerziehend ist, weil ihr Mann eben irgendwie da ist: andererseits fällt ihr der Alltag aber manchmal sogar leichter, wenn er nicht da ist. Kommt dir das jetzt bekannt vor?

Das Ziel ist nicht, es dabei zu belassen

Denn das würde dauerhaft eure Beziehung schädigen. Es würde übrigens auch die Beziehung von ihm zu seinen Kindern schädigen.

Vielleicht hat es das sogar schon: vielleicht zweifelst du sogar schon an eurer Beziehung oder sie besteht “nur noch für die Kinder”?

Es kann nicht so bleiben, es muss sich was ändern, sonst könnt ihr nicht glücklich leben… Das halten wir so fest. Trotzdem möchte ich gerne einen Schritt vorher mit dir anfangen. Also vor der tatsächlichen Veränderung.

Nämlich beim Verständnis

Beim Verständnis für Deinen Mann. Da habe ich angefangen und auch wenn dein Mann davon nicht einsatzbereit wird, ist es schon ein großer Schritt.

Den Mann mit seiner Passivität oder sogar Jähzornigkeit auch noch verstehen? Denkst du jetzt vielleicht. Der soll lieber mal mich verstehen!

Aber eins nach dem anderen. Ich verrate dir jetzt was, was mir sehr geholfen hat und was die Hirnforscherin Vera Birkenbihl und der Familientherapeut Jesper Juul so auch bestätigt haben:

Frauen sind weiter

Frauen sind im Umgang mit dem eigenen familiären Umfeld, sowie Nachwuchs-versorgung einfach weiter. Das hat einen ganz einfachen Grund:

Frauen beschäftigen sich seit Jahrhunderten damit und geben ihr Wissen und Können an ihre Nachkommen weiter. Männer waren in dieser Zeit immer mit Wirtschaft, Karriere, Macht und sogar Krieg beschäftigt.

Mädchen lernen von ihren Müttern Mama zu sein, Jungen wollen von ihren Vätern lernen Papa zu sein – die Papas waren aber nicht zu Hause!

Du bist also der Profi – er der Lehrling

Und das allein macht Männern ein riesiges Problem. Denn eigentlich wollen die meisten Männer gerne dein Retter und dein Held sein, wollen dir zeigen, wie es geht und dir gerne und liebevoll helfen.

Aber nicht als Lehrling, sondern als Held.

Und so stellt sich eines bei den meisten Männern ein: ein Gefühl der Nutzlosigkeit und Sinnlosigkeit! Ein Gefühl, das ihre speziellen Fähigkeiten und überragenden Leistungen hier nicht gefragt sind. Irgendwas ist gefragt, aber sie wissen nicht wie das geht und was es eigentlich ist.

Wer sich nutzlos fühlt – verhält sich auch so!

Ich bin mir sicher, dieser Satz ist universell anwendbar. Wenn ein Mensch das Gefühl hat, keinen Nutzen zu haben, überflüssig zu sein, dann verhält er sich auch so.

So kommt es, das Franz aus dem Beispiel oben, lieber Computer spielt oder Kegeln geht, anstatt seiner Frau mit den Kindern zu helfen.

Er tut also genau das, wie er sich auch fühlt: er verhält sich nutzlos!

alleinerziehend mit Mann – Bildrechte: photographee.eu/depositphotos

Und was noch?

Die einzige Lücke, die auch sein Vater schon versucht hat zu füllen, die er bei dir vielleicht spürt ist, dass manchmal die Kinder nicht richtig folgen. (So wie alle “normalen” Kinder)

Also versucht er sie ab und an zu erziehen, in dem er richtig Autoritär auftritt. Damit das kleine Volk mal lernt, wer der Herr im Haus ist, wo der Hammer hängt und wer am längeren Hebel sitzt.

Dann passiert wahrscheinlich folgendes: du funkst ihm dazwischen, rollst immerhin die Augen oder brüllst ihn sogar an, er soll das lassen, das könne man doch nicht machen. Und schon ist seine Theorie bestätigt: er ist nutzlos.

Was kannst du also tun?

Jesper Juul beklagt in seinem Buch “Mann und Vater sein” die Tatsache, dass nicht nur Männer sich in der “Lehrlingsrolle” unwohl fühlen, sondern auch Frauen keinen liebevollen Führungsstil entwickelt haben.

Er drückt sein Bedauern darüber aus, dass Mütter es nicht für ihre Aufgabe halten, ihrem Mann den Start in sein Vaterdasein zu erleichtern und ihm auf liebevolle Weise zur Seite stehen.

Dagegen könnten wir doch etwas unternehmen, oder?

Was können wir denn nun, was Männern so schwer fällt?

Was ist es denn nun eigentlich, was ich kann und mein Mann nicht? Ein Baby herumtragen? Mitkriegen, wenn ein Kind davon läuft und zur Straße rennt? Die Spülmaschine ausräumen?

Das klingt doch lächerlich! Natürlich kann er das.

Ja und auch nein. Denn dass es bei deiner Tätigkeit als Mama um noch etwas mehr geht, dass weisst du selbst.

Umgang mit Gefühlen

Das hat vielleicht nicht sein Vater zu ihm gesagt, aber irgendein Mann wird es schon auf ihn losgelassen haben: “Indianer kennen keinen Schmerz” oder “ein echter Kerl heult nicht”.

Mit sowas mussten sich unsere Männer noch herumschlagen, als sie klein waren. Und jetzt sollen sie plötzlich Gefühle aushalten, Gefühle zulassen, Gefühle begleiten?

Wenn sie doch selbst tief verinnerlicht haben, das Kerle keine Gefühle haben dürfen? Das einzige zugelassene Gefühl Wut ist? Das ist schwerer als du denkst!

Und was ist mit den eigenen Gefühlen?

Und selbst wenn dein Mann es bei seinem Sohn besser machen will, solche Sprüche nicht klopfen will und seine Gefühle begleiten will:

was ist mit seinen eigenen , starken Gefühlen? Mein Mann brüllte die Kinder an, wenn er Angst um sie hatte. Weil das Einzige für ihn zulässige Gefühl eben Aggression war.

Er konnte lange Zeit nicht einfach sagen: “Ich habe Angst um dich!”

Was kannst du tun?

Aufstehen und streiten! Aber mit Verstand. Bildrechte: VitalikRadko/depositphotos

Du kannst ihm helfen, seine Gefühlspalette zu erweitern. Vielleicht schaffst du es, in einem guten Moment, in dem ihr eng in Beziehung steht, zu ihm zu sagen: “Gell, eigentlich hattest du Angst, als du so gebrüllt hast, oder?”

Du kannst mit ihm auch darüber sprechen, ob er als Kind oft “ein harter Kerl” sein musste und das dann das einzige anerkannte Gefühl “Wut” ist.

Du kannst mit ihm darüber sprechen, dass Wut vor alle anderen Gefühle geschaltet wird, das hinter jeder Wut eigentlich etwas anderes steht. Etwas, das ernstgenommen werden will und das überhaupt nicht peinlich und nicht weibisch ist.

Annehmen und Aushalten

Die zweite Kür, die Frauen oft besser beherrschen ist das “Annehmen” von Schwierigkeiten und das Aushalten derselben.

Auch wenn immer mehr Frauen sich damit schwer tun, ist das immer noch kein Vergleich zu den meisten Männern.

Männer sagen: “Das geht so nicht, das muss anders sein!” Und dann krempeln sie die Ärmel hoch und “machen”

Da rennen sie gegen Wände

Denn wenn das Baby eben einfach weint, dann weint es. Es ist satt, es ist sauber, es wird getragen: und es schreit trotzdem.

Du kannst kein Gerät bauen, in dem das Kind geschaukelt wird und du kannst nicht dauerstillen oder gewaltsam einen Schnuller-Stöpsel in den Mund drücken.

Es gibt keinen Ausweg: es muss ausgehalten werden. Und je ruhiger du selbst dabei bist, desto schneller geht es vorbei.

Unbegreiflich für einen richtigen “Macher”

Er kann der größte Held sein, das Baby schreit trotzdem. Er könnte eine Vorrichtung bauen, in dem das Kind umher getragen würde, es würde trotzdem schreien.

Es ist einfach eine Frage der Geduld und inneren Ruhe und natürlich der Zeit: denn das Baby wird ja größer.

Aber das ist schwer auszuhalten und schwer für die meisten Männer zu ertragen.

Was kannst du tun?

ich weiß, du kannst vielleicht selbst nicht mehr. ich weiß, du erwartest einfach, dass er dich entlastet. Aber vielleicht schaffst du es ihm im richtigen Moment klar zu machen:

Du bist mein Held, wenn du es schaffst, 10 Minuten mit dem schreienden Kind umher zu laufen. Und du bist der  Held des Kindes, denn genau das braucht es jetzt!

Versuche ruhig und verständnisvoll mit ihm zu sprechen, auch wenn das so schwer ist! Versuche neben ihm zu stehen, anstatt Front zu machen. Du kannst ihn verstehen. Du findest es selbst anstrengend. Es ist anstrengend. Aber er kann dir helfen. Sag ihm genau: wie! Er weiß es wirklich nicht!

“Darf ich überhaupt verlangen, dass er mir hilft?

mein mann kümmert sich um nichts

Alles gleichzeitig… und er? Bildrechte: Kzenon/depositphotos

Wenn er der Alleinverdiener ist?”

Wenn du die Zeilen vorher ganz genau gelesen hast, dann kennst du die Antwort jetzt schon: Es ist sogar besser für ihn, wenn er mithelfen muss.

Es wäre das Allerbeste für ihn, wenn du nicht ohne ihn klarkommen würdest. Denn dann wäre er wichtig und würde gebraucht. Er will nicht nur der Goldesel sein. Er will wichtig sein.

lies auch hier: Was tun, wenn mein Mann ständig schmollt und wütet?

Das ist übrigens keine lächerliche Männereigenschaft, gebraucht werden zu wollen, es ist sogar ein Menschliches Grundbedürfnis!

Und wie kann ich mit meinem Mann über das Thema sprechen?

ohne dass es zu Streit kommt und ohne dass er sich angegriffen fühlt?

Ehrlich gesagt kann ich dir nichts sagen, was einen Konflikt vermeidet und trotzdem zu einer Änderung führt. Das ist so gut wie unmöglich.

Du kannst nicht einerseits Konfliktsituationen meiden und andererseits etwas bewirken und verändern wollen. Das wäre wie Stillen ohne die Brüste zu benutzen. Das ist nicht möglich.

Er wird sich angegriffen fühlen

Denn wir leben leider in einer Leistungsgesellschaft und haben fast alle einen sehr geringen Selbstwert. Deshalb ist unser Abwehrmechanismus ganz schnell zur Stelle und verteidigt uns vor Angriffen.

Das ist nicht mal eine böse Absicht von ihm, das ist einfach ein Mechanismus, der sich sofort einschaltet, wenn ein Mensch sich angegriffen fühlt.

Da musst du durch!

Vehement bleiben

Vehement bleiben ist deine einzige Chance. Wenn der Abwehrmechanismus dich nicht abschrecken kann, wenn er merkt, du bist noch immer da, dann hört der Gegenangriff auf.

Und du kannst vielleicht den wichtigsten Satz sagen, der gesagt werden muss:

“Ich brauche dich. Hilf mir. Allein schaffe ich es nicht. Rette mich”

Das klingt vielleicht unselbständig und nicht emanzipiert in deinen Ohren

aber seien wir doch mal ehrlich: es stimmt.

Ohne Hilfe Kinder großzuziehen geht kaum. Es geht nur so, dass wir wirklich, wirklich auf dem Zahnfleisch gehen und am Ende sind: und von wirklich gut kann hier nicht mehr die Rede sein.

Also das ist kein Versagen von dir selbst, es ist eine Tatsache: um Kinder großzuziehen brauchst du Hilfe.

Warum dann nicht die, vom Vater der Kinder?

Warum nicht gerade seine?

Bitte darum!

Mache ihm klar, dass du ihn brauchst. Auch wenn es dir schwer fällt!

Bildrechte, Titelbild: dcdp/depositphotos

4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Tina Neher-Becker
13. April 2019 14:04

…hört und liest sich hervorragend. Leider gibt es aber Ehemänner, so auch meiner, die es ablehnen, im Haushalt zu helfen. Denen ist es schlichtweg “wurscht” wie es im Haushalt aussieht. Wie oft hatte ich schon das Gespräch und die Bitte, mich zu unterstützen. Aber er ist nur an sich und seinen Interessen interessiert. Was gibts zu essen, was kommt im TV und was/wann mache ich Freizeit…Was macht man denn dann? Ich bin alleinerziehend mit Mann und habe das Gefühl, eine schwere Last alleine zu tragen.

Antworten

    Liebe Tina
    Ich bin mir sicher, dass du eine sehr schwere Last trägst! Alleinerziehend mit Mann zu sein, ist nicht “witzig”, es ist einfach nur sehr sehr schwer. Wenn du zum einen wirklich um Hilfe bittest, ihm klar machst, dass du ihn brauchst und dabei sehr vehement bleibst – glaubst du, dass ihn das vollkommen kalt lässt? Ich glaube nicht. Es ist nur einfach so, dass wir oft noch gar nie um Hilfe gebeten haben – denn das ist unheimlich schwer! Ich drücke euch und Dir ganz fest die Daumen und wenn du gerne näher mit mir an dem Thema arbeiten willst, buche ein Coaching, ich freue mich auf jeden Fall von dir zu hören!!!

    Antworten
Kirschblüte
22. April 2019 17:22

Da kann ich Tina leider nur zustimmen. Ich mache den ganzen Haushalt und passe aufs Kind auf. Wenn er mal zuhause ist, will er rasten, denn er muss ja sonst arbeiten. Ich sage dann, ja ich arbeite aber auch. Aber das ist dann egal. Er setzt sich vorn Computer und das wars. Ich muss mich weiter um unsere Kleine kümmern und den Haushalt oben drein, während er mir zusieht oder eben auf den Laptop starrt, während ich herum renne und alles unter einen Hut bringen muss.

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Da kann man besser ohne Mann leben ,als sich so einen Nichtsnutz zusätzlich aufzuhalsen.Wer will der kann auch.

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