Mama und Kind

Kinder nerven: Warum du auch mit diesem Gedanken eine gute Mutter sein kannst!

“Kinder nerven!”. Oder: “Mein Kind nervt mich”. Gedanken wie diese haben Mütter ab und zu. Direkt danach kommen dann die Schuldgefühle. “Ich kann doch mein Kind nicht nervig finden! Am Ende gehöre ich noch zu diesen schrecklichen Eltern, die ihr Kind nicht lieben!”

In diesem Artikel helfe ich dir dabei, diese Schuldgefühle loszuwerden. Und wir überlegen natürlich auch, wie du konkret mit diesem Gefühl des “Genervtseins” umgehen kannst.

Denn das Mama- und Elterndasein ist nicht immer nur rosig. Und das muss es auch nicht, schließlich wollen wir unseren Kindern ja keine rosa-bunte, allzu perfekte Welt vorleben, oder?

Mein Kind nervt mich nur noch!

Rasmus mag nicht Auto fahren. Er mag den Kindersitz nicht. Wenn seine Mama es eilig hat, die Schwestern abzuholen, streikt er erst Recht! Er wirft sich vor dem Auto auf den Boden und schreit. Jedesmal.

Franz ist 8 Jahre alt, wenn er aufgeregt ist – und das ist er gefühlt ständig – dann fuchtelt er seiner Mama mit den Fäusten vor dem Gesicht herum, und boxt ihr (zum Schein) auf die Nase. Seine Mama könnte jedesmal aus der Haut fahren.

Maritas Kinder streiten. Sie vertragen sich auch oft, aber Marita hat manchmal das Gefühl, dass sie nur streiten. Von morgens bis Abends. Der eine heult, der andere haut zu, sie schreien sich an, sie prügeln sich auf dem Bett. Marita ist so genervt davon.

Es ist doch so süß!

Wenn du abends am Bett von deinem kleinen schlafenden Engel stehst, denkst du es plötzlich: “Mein Kind ist doch so süß”. Du schämst dich, weil du so genervt auf es reagiert hast.

Du  nimmst dir vielleicht vor, am nächsten Tag nicht mehr so zu sein. Mein Kind hat was viel besseres verdient! Nicht so einen genervten Ton, nicht so genervte Gedanken, kein kein “sich weg wünschen”:

Du wirst am nächsten Morgen mit guten Vorsätzen in den Tag starten… aber seien wir mal ehrlich! Irgendwann landest du wieder am selben Punkt. Du bist genervt von deinem Kind. Oder?

Du würdest so gerne wieder gerne Mama sein!

Kinder nerven

Bildrechte: Depositphotos/ilona75

Wie kannst du nur dieses genervte Gefühl loswerden? In dem du es unterdrückst? In dem du dir immer wieder Schuldgefühle einredest?

Noch viel schlechter geht es dir, wenn dein Mann, deine Schwiegermutter oder die Kindergärtnerin merkt, dass du genervt bist. Wie peinlich! Aber manchmal passiert es einfach: der genervte Ton ist zu hören!

Du wünscht dir so sehr, wieder gerne Mama zu sein, dich an deinem Kind freuen zu können. Du wünschst dir, geduldig und freundlich zu sein und keine genervte Motzmama. Das wäre schön!

Woher kommt das Gefühl “genervt”?

“Meine Nerven liegen blank” – “mit den Nerven am Ende” – “Auf dem Zahnfleisch daher” – “Genervt”: diese Ausdrücke sagen es uns schon: Genervt sein, hat etwas mit dem eigenen Nervenkostüm zu tun.

Wenn der Zettel im Pullover hinten im Nacken scheuert, merkt man es zuerst kaum. Doch irgendwann ist diese Stelle an der Haut gereizt, von dem immer wiederkehrenden winzigen “Schmerz”: die Haut ist “genervt”, das Scheuern stört, wir ziehen den Pullover aus und schneiden den Zettel (ziemlich wütend!) ab.

Entweder hat also das Problem selber das Nervenkostüm “mürbe” gemacht – wie bei dem Zettel im Pullover –  oder du bist es auf andere Art geworden (also mürbe, hellfühlig, angreifbar, “nervbar”) und dann bringt eine Kleinigkeit “dein Faß zum Überlaufen”.

Doch was macht uns also nervlich so sensibel und instabil?

1. Stress

Ich wette du als Mama kennst das: Du solltest eigentlich pünktlich beim Arzt/Elterngespräch/Arbeit/Besuch sein, aber dein Kind funktioniert einfach nicht.

Es rennt weg, wenn es Zähneputzen soll, es legt sich in den Gang auf den Boden und heult über seine kratzige Jacke und die unbequemen, blöden, uncoolen Schuhe und streikt einfach auf ganzer Linie. Je mehr du drängelst, desto lahmer wird das Kind.

Dein Stress hat mit der Zeit zu tun, oder mit den vielen verschiedenen Baustellen, die du hast, mit den Ansprüchen an dich selbst, mit den Ansprüchen von Außen: du bist einfach gestresst, fühlst dich überfordert und dann wirst du genervt. Stress ist wahrscheinlich der Hauptpunkt, warum wir genervt sind!

2. Spontanität

Spontanität macht genervt? Moment. Wie ist das gemeint? Spontanität ist eine Leistung im Gehirn, die uns von unserem eigenen Plan abbringt und uns schnell auf eine neue Spur aufspringen lässt.

Das fällt nicht immer leicht. Nein, ehrlich gesagt fällt es den meisten von uns sehr schwer. Kinder fordern aber eine solche Spontanität ständig ein. “Ich will nicht die Mütze, ich will die mit Schirm”. “Ich will nicht in diesem Kindersitz fahren, sondern lieber in dem von meinem Bruder”. “Ich will jetzt lieber Kastanien sammeln”

Wir haben Pläne: und unsere Kinder haben auch Pläne. Wie spontan können wir unsere eigenen Pläne umwerfen? Wie bereit sind wir, die Pläne unserer Kinder auch mal anzunehmen und dafür die eigenen aufzugeben? Das ist eben schwer: und kann nerven!

3. Sich selbst spüren

Der Rucksack ist eigentlich nicht schwer. Die Jacke ist ein bisschen zu warm. Es macht nichts, wenn das Kind heute “Schnecken-schupst”. Ist nicht so schlimm, durst zu haben und auch die Schwangerschaftsübelkeit ist heute ok.

Nur alles zusammen: MACHT DICH SO WAHNSINNIG! Und du weisst gar nicht genau wieso eigentlich? Wieso bist du eigentlich so genervt?

Weil du all diese kleinen Dinge übergehst, die dein Körper als Signale aussendet. Durst, Hitze, leichte Übelkeit, etwas Gewicht zu tragen. All das, hast du übergangen, und so meldet sich dein Körper zurück: Du bist genervt!

4. Bedürfnisse

Du bist ja erwachsen, und kannst es gut verkraften, wenn du keinen Schlaf bekommst, weil alle Kinder im Familienbett an dir dran, auf dir drauf, um dich herum schlafen müssen.

Du merkst, dass deine Ohren schon klingeln von dem Kinderlärm, aber du bist ja erwachsen und kannst dich zurück stellen.

Du hättest so gerne jemanden, der dir zuhört, anstatt zum hundersten Mal “ich erzähl dir einen Witz, Mama, da geht ein Mann ins Klo…” anzuhören. Aber du bist ja so erwachsen und kannst das zurückstellen: Oder doch nicht?

5. Aufopfern

Natürlich hilft Anke ihrem Fritz gerne beim Stricken. Sie bastelt auch gerne 15 Schmuckschachteln für den Weihnachtsbazar in der Schule. Sie backt gerne Plätzchen für die Klassenfahrt.

Sie möchte unbedingt beim Wandertag im Kindergarten dabei sein und freut sich schon auf den Grillabend, dafür muss sie nur noch 3 Salate vorbereiten. Dumm nur, dass sie für ihren Chef noch einige Seiten überarbeiten muss und wann soll sie eigentlich die Spülmaschine ausräumen?

Aufopferung ist gut: Selbstfürsorge ist besser! Anke ist so tierisch genervt. Sie opfert sich auf, weil sie alles gut machen will, aber sie brüllt ihren Fritz irgendwann an, nur, weil er vergessen hat, die Hände nach dem Klo zu waschen. Das tut ihr dann wieder leid und sie fühlt sich mies.

6. Läuft nicht gut

Gestern hat Papa beim Abendessen zwei Kinder zum heulen gebracht. Dann musste er los: zum Fußballtraining. “Ist mir auch eh zu stressig hier”, sagt er lapidar. Mareike ist am Kindertrösten, am Kaba aufwischen und kocht innerlich.

Aber ihr Mann ist weg und da beginnen die zwei Großen auch noch zu streiten. Und sie schreit die Großen an, als hätten sie das Haus angezündet: Dabei ist ihre Wut eigentlich auf ihren Ehemann da, der einfach davon gefahren ist.

Etwas läuft nicht gut, du kannst es nicht loswerden. Du versuchst es zu “schlucken” und es bricht an einer anderen Stelle hervor: wie ein gestauter Fluß, der plötzlich in alle Richtungen explodiert.

Und was noch?

Was uns noch genervt macht? Eine genervte Umgebung: und die wirkt auf uns, ob wir es wollen oder nicht und!

Gewohnheit!

Ein genervter Ton gewöhnt sich wahnsinnig schnell an. Er bleibt dann an dir kleben, wie eine Klette und du bekommst ihn schwer wieder weg. Das braucht sehr viel Eigendisziplin!

Was kann ich tun?

Höre auf dein genervtes Gefühl.

Halte inne und lausche darauf: freu dich darüber, dass du es gemerkt hast! Verdamme dich nicht, sondern begrüße das Gefühl.

Denn du brauchst es.

Was für ein Quatsch? Ich brauche es?

Kinder nerven

Ja, auch Babys können manchmal anstrengend sein! Bildrechte: Depositphotos/Ondrooo

Ja, denn wer sonst sollte darauf achten, dich selbst nicht ständig zu übergehen? Wer kann besser auf deinen Stresspegel aufpassen, deine Überforderung, deine Wut, deine Umgebung, die dich vielleicht herunter zieht.

wer, wenn nicht du selbst?

Dieses Gefühl von “Genervtheit” ist also ein super gutes Warnsystem. Eine Warnanlage! Sie soll dir helfen, zu dir zu finden und auf dich zu achten! Und das ist wichtig! Denn deine Kinder brauchen dich, dein Mann braucht dich und am allerwichtigsten: du selbst brauchst dich!

Und wofür?

blöde Frage? Denkst du vielleicht! Du brauchst dich selbst, damit du ein glückliches Leben führen kannst: eins, das dir gefällt und kein genervtes und gestresstes Leben. Das schleift sich nämlich allzu schnell ein.

Ein Leben, in dem du wieder gerne Mama bist, genau, wie du es dir wünschst. Ein Leben, in dem es dich und deine Wünsche gibt und in dem diese Wünsche auch erfüllt werden: ein Leben mit dir als glückliche Frau und Mama. Klingt doch gut?!

Und das kannst du erreichen, indem du auf dich selbst hörst: in dem du dein genervtes Gefühl nicht wegschämst, sondern ernst nimmst.

Aber ich habe zu viel Stress, keine Zeit, gehe auf dem Zahnfleisch..

Ich kann mich gar nicht um mich kümmern, habe keine Zeit dazu. Ich habe kaum Unterstützung und keine Hilfe. Was soll ich denn dann machen?

Zuerstmal ist es wichtig, deine Bedürfnisse ernst zu nehmen, nämlich die, die hinter dem genervten Gefühl stehen. “Ok. Ich würde mich jetzt  gerne einen Moment ausruhen. Das geht nicht, ich bin mitten in der Stadt und habe zwei kleine Kinder beim Einkaufen dabei”.

“Nachher kommen wir zu einem Spielplatz, da setze ich mich kurz auf eine Bank. Und dann lass ich die Kinder rennen und lege die Füße hoch – ich schubse niemanden auf der Schaukel an und ich wippe nicht und ich drehe das Karussell nicht und ich backe keine Sandkuchen: das machen dann die Kinder!”

Aber ist das nicht furchtbar egoistisch? Bin ich dann eine Rabenmutter?

Nein. Schlicht und ehrlich: nein. Du bist dann keine Rabenmutter.

Denn 1. haben deine Kinder viel mehr von einer glücklichen Mama und das ist wirklich wahr!

Und 2. gibt es gute Gründe dafür, seine eigenen Kinder nicht zu bespaßen wie ein Pausenclown.

Ehrlich!

Kinder, die ständig bespaßt werden, lernen eigentlich nur eins: ich kann nicht für mich selber sorgen, das muss Mama für mich machen. Ich bin unselbständig und klein und nicht wirksam in meinem eigenen Leben.

positiv Formuliert: Kinder, die sich selbst auf der Schaukel anschubsen, selber klären, wie sie die Wippe besetzen und eigene Sandkuchen backen können, die fühlen sich stark, kompetent und verdammt stolz.

Das gilt auch für zu Hause: Kinder, die sich langweilen stehen kurz davor, eine super gute und kreative Idee zu entwickeln, also gönne ihnen dieses Geschenk der Langeweile! Hier habe ich einen Artikel dazu veröffentlicht.

Aber ich habe Schuldgefühle…

Wir sind komischerweise gerne bereit uns mit Schuldgefühlen zu beladen, wenn wir uns nicht genügend aufopfern und wenn wir es einfach nicht schaffen, die eigenen Bedürfnisse abzuschaffen.

Dabei sollte es umgekehrt sein!

Es sollte uns höchstens Schuldgefühle machen, wenn wir nicht für uns selbst sorgen. Denn ich sage dir jetzt etwas, das wirklich hart klingt

“Kinder kooperieren”

Und zwar nicht so, wie wir uns das denken: in dem sie wie dressierte Zirkushündchen tun, was wir zu ihnen sagen, sondern ganz anders.

Kinder erspüren mit ihrer engen Verbindung zu uns jede Lücke in unserem System und füllen sie aus.

Das heißt, sie übernehmen für uns die Dinge, die wir selbst nicht tun oder: sie weisen uns auf ihre kindliche Art immer wieder darauf hin, das dort eine Lücke ist, ein Fehler passiert.

Lies auch hier: Kind hört nicht und ist aggressiv

Das klingt kompliziert!

Anna hat einen Sohn und eine Tochter. Anna opfert sich gerne auf: sie schleppt den Ranzen von ihrer Tochter obwohl sie Rückenweh hat, sie steht vom Essen auf und richtet liebevoll Brote her, wenn es einem ihrer Kinder nicht schmeckt, obwohl sie so sehr Hunger hat.

ihr Sohn sagt: “Mama, ich trag den Ranzen für dich” (er übernimmt die Verantwortung, weil er weiß, das Mama Rückenweh hat)

Und ihre Tochter sagt: “das blöde Brot schmeckt mir auch nicht, das ist eklig, ich will was anderes!” (sie stößt ihre Mama mit der Nase solange auf die Wunde, bis diese endlich anfängt, für sich zu sorgen!)

Du bist also keine Rabenmutter

und du gehörst nicht zu den Menschen, die ihre Kinder nicht lieben, wenn du anfängst, auf diese Stimme in dir zu hören, die dich genervt werden lässt.

Anna tut damit allen einen großen Gefallen, wenn sie sagt: “Mein Rücken tut heute weh, bitte trage deinen Ranzen selbst” und “Ich habe so sehr Hunger, hol dir doch einfach ein Knäckebrot, wenn dir das Essen nicht schmeckt, ich möchte jetzt essen”.

Denn sie entlastet ihre Kinder von der viel zu schwierigen Aufgabe, auf ihre Mama aufzupassen. Sie sagt nicht: “ich liebe euch nicht”! Sie sagt viel mehr: “Ich liebe euch und ich bin mir selbst wichtig genug, als dass ich auf mich acht gebe – das müsst ihr nicht tun! Ihr könnt mir vertrauen und einfach Kindsein”!

Das ist nicht einfach?

Manchmal ist es so sehr in die Gewohnheit übergegangen, nicht auf sich selbst zu achten, dass es dir vielleicht sehr schwer erscheint, dein Verhalten zu ändern.

Es sind aber gar keine Weltbewegenden Veränderungen, die du vornehmen musst, manchmal reichen schon Kleinigkeiten.

Ein einfaches Wahrnehmen von sich selbst: eine kurze Aufmerksamkeit auf deine  eigene Lage, dein Befinden, dein Gefühl. Ein Annehmen eines Bedürfnisses, auch, wenn man es nicht sofort erfüllen kann.

Und die Sicherheit

sich nicht für die Genervtheit zu schämen,

sondern sich über sie zu freuen,

denn sie führt dich zu dir selbst!

Bildrechte Beitragsbild: Depositphotos/vadimphoto1@gmail.com

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