Wie du mit Kritik an deinem Kind fertig wirst (in 5 Schritten)

Nina war immer stolz auf ihre Tochter.
Sie gab freiwillig den Schnuller ab, schlief schnell durch und ging leicht auf Kompromisse ein.
Jetzt ist alles anders.
Wenn es nicht nach ihrem Willen geht, schreit das Mädchen los und schlägt Nina.
„Das würde ich mir nicht gefallen lassen!“, sagt Ninas Mutter, die Verkäuferin im Supermarkt und die kinderlose Freundin.
und Nina fühlt sich schlecht. So schlecht, dass sie jetzt manchmal ihre Tochter anschreit.

Kennst du so eine Situation?

 

Wenn dein Kind kein angepasstes, höfliches, immer Ja-sagendes, ruhiges Kind ist. Wenn dein Kind zwickt und beißt? Wenn es nichts hergeben will und immer alles für sich behält? Ein kleiner Ego – das Arschlochkind auf dem Spielplatz, der kleine Fiesling, der mit Worten stichelt? Was dann?

Das ist ganz schön hart. Wir müssen uns einiges anhören. Besonders von der älteren Generation, von Leuten ohne Kinder, oder von Eltern mit einem kleinen Mädchen, das artig auf seinem Po sitzt und den ganzen Tag gediegen Sand siebt.
Also von Leuten: die keine Ahnung haben!

Und trotzdem trifft es dich, oder? Trotzdem fühlst du dich angegriffen, angeklagt, als Versagerin.

Damit muss Schluss sein. Genau jetzt. Noch heute.

Also fangen wir gleich an.

Schritt 1: Unter die Gürtellinie – oder Mitleid?!

„Dein Kleiner lässt mal wieder die Puppen tanzen, was?!“
sagt die Schwiegermutter pikiert.
Das sitzt.

Doch anstatt sich in Verteidigungs-Gedanken zu verstricken, oder sich sogar noch wörtlich zu rechtfertigen, schiebst du ab jetzt einen anderen Gedanken vor:

„Was hat man dir als Kind angetan, dass du jetzt so denkst?“

Wir selbst wurden oft noch manipuliert und streng gedrillt, erpresst und belohnt. Unsere Eltern wurden geschlagen. Von ihren Eltern. Sie wurden allein gelassen, geprügelt und schlecht behandelt. (Nicht alle, aber die meisten)

Es muss ihnen geradezu körperliche Schmerzen bereiten, zu sehen, wie liebevoll Du mit deinem Kind umgehst:

Das ist so, wie wenn man in frischem Quellwasser badet und ein Verdurstender sieht zu.

So muss sich das anfühlen, wenn Du dein Kind nicht bestrafst, sondern begleitest.

Ist das nicht traurig?

Der Schmerz ist auf ihrer Seite, nicht auf Deiner. Es gibt Grund zum Mitleid, nicht zur Wut – zumindest nicht für dich.

Sie ist so wütend und verletzt, denn genau so jemanden hätte sie gebraucht, als sie klein war: jemand, der sie versteht und begleitet, der humorvoll und liebevoll reagiert, der sie tröstet und hält. Und da stehst du vor ihr und tust genau das mit deinem Kind, was sie sich immer gewünscht hat – für sich.

Und was tut sie?
Sie greift dich an, sie will dich treffen. Es tut ihr so weh, dass sie dich verletzen will.
Unbewusst: denn weit weg von dem, was sie merkt, da bist du gerade schuld an ihrem Schmerz. Denn du hältst ihr einen Spiegel vor und zeigst ihr darin dass, was sie selbst vermisst hat.

Und vielleicht zeigst du ihr obendrein noch dass, was sie ihrem eigenen Kind nicht geben konnte.

Sie muss „zuschlagen“. Sie muss dich „angreifen“: um ihre eigene Integrität zu wahren und den Schmerz wegzuschieben.

Merkst du was?
„Dein Kleiner lässt mal wieder die Puppen tanzen, was?“ heißt eigentlich übersetzt: „Meine Güte, so eine wunderbare Mama wie du bist, hätte ich mir auch gewünscht“ –

Danke für das Kompliment, liebe Schwiegermama.

 

 

Schritt 2: „Bei mir ist er immer lieb“!!! Die „Anderswo -Lüge“

 

Mein Papa hat mir einmal vorgeschlagen, meine Arbeitsfläche in der Küche so hinzuschieben, dass von der Rückseite her die Kinder auf einer Bank stehen und mit auf die Arbeitsfläche schauen können: dann können sie auch helfen und kommen gut an alles dran.
Es sah toll aus und die Kinder waren glücklich: Sobald ich mich zum Herd umdrehte, zerfledderten sie mir alles, spielten mit Messern, warfen Obst runter und schmierten mit Tomatenmark (du bist Mama, du kannst dir das vorstellen!)
ich sage zu meinem Papa: „Ich dreh durch, so kann ich niemals kochen!“
Er kochte zum Test bei uns zu Hause in meiner Küche, beide seiner Enkel standen auf dieser Zuschauerbank und sahen ihm brav bei der Arbeit zu.
„Wieso? Ist doch gar kein Problem?!“, sagte mein Papa. „Du musst ihnen nur sagen, dass sie die Finger weglassen sollen!“
Haha. Ja, danke, lieber Papa. (ich hab Dich lieb!)

Du kennst das bestimmt: Oma, Opa, Erzieherin und Tralalala sagen zu dir: „Wieso, bei mir macht sie so was nie!“ Und du könntest vor lauter Wut Loopings schlagen oder dich schreiend auf den Boden werfen.
Wenn du so einen Satz hörst, kannst du in Zukunft ganz entspannt lächeln und dich bedanken.

Warum?

Weil  Kinder, die sicher gebunden sind und ihre Eltern als stabile Vertrauenspersonen erleben zu Hause kleine, fiese Kobolde sein können.
Ganz einfach. Deshalb.
Weil dein Kind sich zu Hause so angenommen fühlt: „Hier bin ich Mensch, hier kann ich sein!“
Deshalb wirst du in Zukunft entspannt lächeln, wenn dein Kind bei der Nachbarin „ganz Problemlos Geschirr abräumt“ oder
Bei der Freundin „total ruhig und konzentriert Hausaufgaben erledigt“

Ich kann dir aus meiner Hort-Erzieherinnen-Zeit ein umgekehrtes Beispiel nennen:
Jakob ist ein rundlicher, freundlicher, sehr intelligenter Junge von 9 Jahren. Er sitzt beim Essen immer neben mir und erzählt mir lustige und fantasievolle Geschichten. Nur manchmal nicht: da rastet er förmlich aus. Er schreit und schlägt um sich, er sitzt stundenlang unter dem Tisch und will nicht mehr heraus kommen. Er ist völlig außer sich. Das kommt ungefähr ein- bis zweimal im Monat vor.
Als wir beim Elterngespräch seiner unheimlich jungen, alleinerziehenden, zarten Mutter davon berichten, bricht sie in Tränen aus und sagt: „So was hat er bei mir noch nie gemacht. Wirklich! Er ist immer ausgeglichen und lieb. Er will mein Beschützer sein“.
Ja, genau so war es: er hat mit all seinem kindlichen Mut und seiner kindlichen Energie seine Mutter beschützt. Leider reichte die Kraft nicht aus: irgendwo musste er ja seinen Frust, seine Erschöpfung und seine Überforderung rauslassen. Das tat er an dem Ort, an dem er sich sicher und geborgen fühlte: im Hort.
Wenn ich mich an den ritterlichen Jakob erinnere, denke ich : Gott sei dank, sind meine Kinder zu Hause solche „Rotzaffen“! Denke also an Jakob, wenn Wutzwerg dein Wohnzimmer verwüstet und „blöde Mama“ brüllt!

Ihre Ausbrüche und ihr ekliges Verhalten zeigen sie bei dir nur, weil sie dir vertrauen! Weil sie wissen, du fällst nicht um davon! Und du liebst sie trotzdem!
Also kannst du dich freuen und es als großes Kompliment sehen, wenn jemand sagt: „er ist hier wirklich der perfekte Schüler“ – Rumpelstielschen ist wohl nie mit in der Schule, der wohnt hier bei uns.

 

Schritt 3: Lösen wir uns von Problemen oder weigern wir uns, sie zu lösen?

 

Wenn mein Kleinster Gummibärchen haben will, die auf dem Schrank stehen, schiebt es sich einen Stuhl an den Schrank, klettert darauf und holt sich die Gummibärchen. Lecker!

Das nennt sich: Problemlösungsdenken, bzw. Problemlösungsstrategie. Blödes, langes Wort!
Problem-Lösungs-Strategie: liest sich viel besser.

Wenn wir Erwachsenen Gummibärchen haben wollen, die auf dem Schrank stehen, sehen wir hinauf und fragen uns, ob wir normal sind, weil wir zu klein sind, um dort hinauf zu kommen. Sind wir vielleicht krank? Oder ist dieser Zustand schrecklich ungerecht? Ist die Welt böse, weil wir zu klein sind um auf den Schrank zu kommen? Oder ist es unsere Schuld, dass wir nicht größer geworden sind?

Das ist vielleicht übertrieben. Oder nicht?

Wir suchen oft nicht nach Lösungen, sondern nach einer Rechtfertigung für das Problem.

Das können wir von unseren Kindern lernen: Probleme einfach angehen.

Ist doch egal, ob sie normal sind. Was ist schon normal?

Mein Sohn verhaut seine Brüder, wenn er aus der Schule kommt. Er ist seit einem halben Jahr in der Schule.

Ist das normal? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Für unsere Familie wichtig ist nur das: Wie gehen wir damit um?

1. Die Brüder sollen nicht leiden, weil der Große aus der Schule kommt.
2. Der Große hat offensichtlich ein Bedürfnis, das befriedigt werden muss.
Er hat vielleicht einiges Erlebt, dass er loswerden will, aber nicht einfach erzählen kann.

Jetzt sorge ich dafür, dass er erstmal ausruhen kann und möglichst Aufmerksamkeit von mir bekommt. Das hilft. Und irgendwann später kommen dann sogar die Geschichten aus der Schule. Die sind gar nicht so schlimm. Aber aufregend für ihn.
(natürlich haben wir uns überdies auch erkundigt, ob er in der Schule verhauen wird. Aber das ist nicht der Fall)

Sich darüber Gedanken zu machen, ob mein Sohn „normal“ ist, weil er so reagiert, hilft nicht weiter. Niemandem. Es verunsichert mich und es misstraut ihm. Es setzt uns beide unter Druck und dann können wir keine Lösung mehr finden, vor lauter Stress.

 

Schritt 4: Mein Kind hat aber eine Diagnose. Ist es dann trotzdem ok, so wie es ist?

 

Was tun, wenn eine dieser Phasen länger dauert? Wenn dein Kind ständig in Schule und Umfeld aneckt? Was, wenn ein Arzt, ein Erzieher, ein Lehrer, ein Verwandter von einer Diagnose oder einem psychischem Problem spricht? (Adhs, Ads, Autismus, Legastenie, Rechenschwäche, Bindungsproblemen, usw.)

Drei Merksätze für Kinder „mit Diagnose“:

1. Das Umfeld von Kindern, die Schule, selbst der Kindergarten sind oft nicht so gemacht, dass Kinder darin klar kommen.

Natürlich gibt es Kinder, die sich anpassen.
Deins offenbar nicht. Das muss nicht heißen, dass dein Kind nicht richtig tickt.
Beispiel: Max stört in der Schule
Max lernt die Buchstaben nicht, hört nicht zu und malt krakelig oder gar nicht. Er hat keine Lust dazu, denn er hat kein Erfolgserlebnis. Er schwätzt, stört und arbeitet nicht mit. Wenn er ermahnt wird, reagiert er trotzig und abwehrend: dabei schämt er sich eigentlich und fühlt sich unzulänglich.
Was ist los mit Max?

Vera Birkenbihl erklärt z. B. über das Gehirn von Männern: ein Junge/ein Mann lernt mit großen Formen, er verknüpft leichter durch Bewegung, Grobmotorisches wird leichter abgespeichert: Jungen sollten Buchstaben ablaufen dürfen, anstatt sie minimalistisch auf ein Stück Papier zu kritzeln. Für Mädchen kann das ok sein. Für Jungen kann es unendlich schwer sein, so zu lernen.
Und schon haben wir den „auffälligen“ Jungen namens Max: Was tickt denn dabei nicht richtig? Ist es wirklich Max?

 

2. Manchmal passen das Umfeld und das Kind einfach nicht zusammen, obwohl beide in Ordnung sind.

Beispiel: N. will nicht in den Kindergarten
Mein mittlerer Sohn konnte sich in seinem alten Kindergarten nicht gut von mir lösen. Er und ich standen unter Strom, wenn wir den Kindergarten betraten: die Erzieher sagten, ihm ginge es gut, er spiele mit den anderen, es müsse wohl an der Beziehung zu mir liegen, dass er dieses Problem hätte. Schwups: und schon fühlte ich mich schuldig und überlegte, ob ich zu sehr klammerte.
Er weinte, wenn ich ging. Ich fühlte mich noch schlechter. Einerseits wollte ich keine Klammer-Glucke sein, andererseits wollte ich mein bitterlich weinendes Kind nicht im Stich lassen!
Was half? Wir zogen um (nicht deshalb) und er kam in einen anderen Kindergarten. Problem gelöst.
Plötzlich hatte weder ich ein Klammerproblem, noch er ein Lösungsproblem. Er hüpft jetzt vor mir her in den Kindergarten, zieht sich schnell um und verschwindet im Kindergartenraum. Er spricht von „meinem Kindergarten“ und „seine Freunde sind die neuen Erzieherinnen“.

Natürlich sind die Probleme unserer Kinder nicht immer so leicht zu lösen. Es ist auch nicht richtig, jedes Mal abzubrechen und wegzulaufen, wenn es schwierig wird.
Ich kann dir viele Beispiele für echte Diagnosen bei Kindern nennen, die sich später als heiße Luft heraus stellten, weil das Kind sein Umfeld änderte. Ich kann dir aber auch Beispiele dafür nennen, dass Weglaufen nicht richtig ist und die Standthaftigkeit und das Angehen der Probleme wirklich half. Hier musst du individuell entscheiden, deine Ängste zurück nehmen und auf dein Gefühl hören.
Wenn das eigene Gefühl aber zu sehr verletzt und unsicher ist, wie es uns ja oft so geht? Dann hol dir Hilfe von einem vertrauten Menschen. Einem, dem du ein gutes und intuitiv richtiges Urteil zutraust. Und höre darauf.
Was du aber bei einem Kind, das wirklich eine Diagnose hat, oder unter dem Verdacht steht (wie das schon klingt!!) eine zu haben, immer bedenken musst, ist Merksatz Nummer 3:

3. eine Diagnose ist auch nur eine Summe menschlicher Verhaltensweisen (Symptome)

Der Mensch hinter der Diagnose ist einfach nur ein Mensch.

Natürlich ist dein Kind völlig ok, wenn es so eine Diagnose hat! Fast jeder hat autistische Eigenschaften, sehr viele Kinder haben Eigenschaften des Adhs und es gibt in meiner Generation eine Unzahl an Frauen, die felsenfest behaupten, nicht Rechnen zu können. Die meisten Erwachsenen haben früher oder später mit depressiven Verstimmungen zu kämpfen, oder sogar ausgewachsene Depressionen, Suchttendenzen, Angststörungen.
Dein Kind ist ein quirliges Energiebündel, freundlich, fröhlich, immer gut drauf? Wunderbar! Vielleicht wäre er zu einer anderen Zeit aufgrund seiner unerschöpflichen Energie der Anführer des Stamms geworden! Vielleicht kommt er auf Grund seiner Fröhlichkeit an der depressiven Phase im Erwachsenenalter glimpflich vorbei!

Wann hilft eine Diagnose?

Im Artikel Wann sind Diagnosen wichtig
auf „der Kompaß“, gibt der Autor eine klare und wie ich finde sehr einleuchtende Antwort darauf: Wenn sie medizinisch relevant ist.
Medizinisch relevant bedeutet: Es kann dem Kind durch die heutige Medizin geholfen werden.
Wann ist sie aber noch gut? Wenn die Beteiligten Hilfe brauchen, um gute Lösungen für das Kind und für die Beteiligten im Umfeld zu finden. Wenn die ganze Familie fast untergeht, weil der Stress um dieses eine Kind so groß geworden ist, kann eine Diagnose helfen: Alle Beteiligten lernen, was z. B. Adhs bedeutet, wie man damit umgeht, was die Beteiligten brauchen und wie sie etwas einordnen können.
Dafür sind Diagnosen also gut: wenn sie dafür sorgen, dass das Kind und sein Umfeld sich besser fühlen. Für sonst gar nichts. Punkt.

 

Schritt 5: was wir manchmal über Kinder vergessen – und unbedingt wissen sollten!

Astrid Lindgren hat es gewusst: sie hat einen Erziehungsratgeber der Superklasse geschrieben. Er heißt Pippi Langstrumpf.
Pippi ist kein Kinderbuch. Es ist ein Buch für Erwachsene. Du kennst Pippi Langstrumpf?
Darin steht, wie Kinder wirklich sind. Wenn man sie so sein lässt, wie sie sind, wenn man sie annimmt und nicht an ihnen herumzieht. Wir Erwachsene können eine Menge von Pippi Langstrumpf lernen.
Pippi ist wild, Pippi ist laut, Pippi hält sich an keine einzige Konvention. Sie geht ungefähr zweimal mal in die Schule, dann hat sie die Ohren voll davon. Aber was Pippi auch ist: Glücklich. Sozial. Sie kann ihre Pläne verfolgen und umsetzen. Sie hat alles, um ihr Leben gut zu leben: was würden wir uns mehr wünschen, für unsere Kinder?

Die Hirnforscherin Vera Birkenbihl sagt dazu: „Zuerst haben wir viel Potential. Dann kommt uns etwas in die Quere: Erziehung“

Der Hirnforscher Gerald Hüther fügt dem an: „98% der Menschen sind hochbegabt: nach der Schule sind es noch 2%“

Und der Familientherapeut Jesper Juul erklärt ergänzend: „Die zentrale Frage für Eltern sollte nicht sein: Wie kann ich mein Kind endlich dazu bewegen, Hausaufgaben zu machen? Sondern die Frage: Was für ein Mensch soll aus ihm werden? Wen sehe ich vor mir, wenn er oder sie 25 ist?“.

Was ich damit sagen will: dein Kind ist völlig in Ordnung! Es hat einen Grund, für sein Tun. Es hat ein Bedürfnis, das dahinter steht, kurz: es ist so wie du und ich (und vielleicht nur ein bisschen weniger an Konventionen angepasst).
Es ist ok, wenn ein Zweijähriger sein Spielzeug nicht teilen will.
Es ist sogar naturgegeben, das ein Dreijähriger zuhaut, wenn ihm etwas weggenommen wird: dann brennen seine Sicherungen im Gehirn durch und er kann sich nicht kontrollieren, wie Danielle und Katja vom Wunschkindblog so wunderbar dargestellt haben.
Es muss kein Amokläufer daraus werden, nur weil der kleine Junge gerne mit Waffen spielt.
Und er wird später lernen beim Schachspielen zu verlieren und nicht mehr das Spielbrett durch die Gegend schmeißen. Vermutlich. Und wenn nicht? Dann ist er auch nicht anders, als viele erwachsene Menschen.
Du darfst dich also entspannen: Das merkwürdige Verhalten unserer Kinder ist zwar erstaunlich und ungewohnt, aber überwiegend handelt es sich um eine Phase, die vorbei geht.
Es handelt sich um Verhaltensweisen zur Wahrung der Integrität oder um Zusammenbrüche, die nur passieren, weil das Kind todmüde oder hungrig oder beides ist: also genau wie bei dir und mir.
Das heißt, ich soll mein Kind einfach machen lassen, völlig unkommentiert?
Nein. Das will ich damit absolut nicht sagen.
Kinder sind Menschen, genau wie Du und ich. Sie wollen nicht allein gelassen werden, mit dem, was sie umtreibt. Es ist wichtig, mit dem Verhalten deines Kindes umzugehen: darauf zu reagieren, mit ihm darüber zu sprechen, es zu sehen und zu bemerken!
Das ist die eigentliche Arbeit, die wir machen!
Das ist unsere Leistung. Ruth von der Kompaß sagt sogar: „Streite mit deinem Kind“ – sage ihm, was dich bewegt, warum du etwas willst. Äußere deinen Unmut, über die nicht gewaschenen Hände oder das Gekreische um das letzte bisschen Joghurt.
Jesper Juul sagt Sinngemäß: Lass dein Kind nicht über alle persönlichen Grenzen von dir und anderen hinwegrollen. Das tut keinem gut und es wird auch nicht zu sozialem Verhalten führen.
Das nur als Anmerkung, zum richtigen Verständnis.
Nochmal: Dein Kind ist völlig ok, so, wie es ist: selbst, wenn es so laut und ungestüm wie Pippi Langstumpf ist, oder so trotzig wie Lotta aus der Krachmacherstraße. Es ist sogar ok, wenn es ruhig und schüchtern ist und mit 5 Jahren immer noch fremdelt (es gibt viele Erwachsene, die noch „fremdeln“) Du kannst dich entspannen.
Dein eigentlicher Job ist es, dein Kind damit nicht allein zu lassen, es zu begleiten. (und nicht ständig darüber nachzudenken, ob dein Kind überhaupt so sein darf und was normal ist)

Schlusswort

Für deine Mama-Arbeit ist es so wichtig, dir immer wieder vor Augen zu halten, dass es nicht um ein Ergebnis geht. Es geht nicht um das brave, angepasste, freundliche Kind.
Deine eigentliche Leistung ist nicht, ein Kind zum funktionieren zu bringen.
Deine unglaubliche Leistung ist es, einen kleinen, neuen Erdenbürger zu begleiten: mit allen Höhen und Tiefen. In guten, wie in schlechten Zeiten…
Ihn anzunehmen, wenn er schreit und schlägt
ihn zu lieben, wenn er trotzt
und zu vertrauen.
auf ihn.
auf dich.

 

 

Bildnachweis: marvelmozhko, Pixabay, 17. Juni 2016

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