Weltfrauentag: Nach 100 Jahren Wahlrecht noch immer nicht emanzipiert!

„Mama, hast du Rückenschmerzen?“
„nein“.
„Aber was tut dir dann weh?“
„Nichts“.

„Und was hast du gerade zu Papa gesagt? Dir tut doch was weh! Ich habs genau gehört!“

ich habe gesagt, das ich wieder zugenommen habe, obwohl ich ständig hungere und fast nie etwas Süßes esse, mein Sohn. Frauen schämen sich für ihre Figur. Sie wollen dünner sein, sportlicher, mit flacherem Bauch. Sie wollen kürzere Nasen haben und größere Brüste. Sie wollen aussehen, als wären sie noch 16, obwohl sie schon 3 Kinder bekommen haben. Sie wollen nicht aussehen, wie Frauen eben aussehen.

„Es ist alles gut, mein Süßer. Mama wäre gerne ein wenig dünner“

„Aber Mama, es gibt doch auch noch viel dickere Mamas als dich“

Aber wo tuts denn nun weh?


Es ist der Selbstwert. Der tut weh. Er ist nämlich krank und sollte dringend eine Spritze bekommen! Er sollte auf gepäppelt und versorgt werden, damit es ihm endlich, endlich besser geht!!

Wir leben im Jahr 2018.

Der erste Weltfrauentag war der 19. März 1911.

„Keine Sonderrechte, sondern Menschenrechte“ – forderte die deutsche Sozialistin Clara Zetkin 1910. Erst 1918 durften auch in Deutschland die Frauen zur Wahl gehen und gewählt werden.
100 Jahre sind vergangen, seit dem Frauen wählen dürfen. 100 Jahre – und doch trauen wir uns nicht, unsere wahre Stärke und Größe zu zeigen.

Und doch trauen wir uns nicht, wirklich Frau zu sein!

Das glaubst du nicht?

Dann kannst du mir auch in folgenden 5 Punkten überzeugt widersprechen?

 

 

1. Sie haben Angst, wie echte Frauen auszusehen!

 

Unser Schönheitsideal ist schmalhüftig, flachbäuchig und knackarschig. Wir wollen super-Titten und am besten in Hosen reinpassen, die wir mit 14 anhatten.
Ich kenne Frauen, die sich ihren Stillbusen zurück wünschen, weil sie da endlich mal Dekolleté zeigen konnten.
Ich selbst habe mich nur über meinen Bauch gefreut, wenn ich Schwanger war, denn da konnte ich die Frage nach einer Schwangerschaft endlich mal mit „ja“ beantworten.

Manche Frauen haben Schwangerschaftsstreifen, manche Orangenhaut und die meisten haben irgendwas an sich auszusetzen: ohne aber Schmerzen oder Einschränkungen zu haben. Wir fühlen uns unwohl, obwohl wir gesund, stark und weiblich sind: obwohl wir gesunde und starke Kinder geboren haben oder/und im Arbeitsleben große Leistungen vollbringen.

Aber was macht dieses Ideal mit uns?

Unsere Töchter haben Magersucht und Bulimie. Sie verletzten sich, weil sie sich so unwohl in ihrem Körper fühlen. Sie sind Suizidgefährdet, leiden schon als Kinder unter Burnout und zerstörerischen Perfektionismus.

 

Wir sind so damit beschäftigt, uns abzuwerten, uns zu gängeln und zu kontrollieren, dass wir gar nicht auf die Idee kommen unsere volle Größe und Kraft zu spüren.

Wir fühlen uns zu dick, um gerade zu stehen und uns zu zeigen!

Wir verhindern mit all diesen Komplexen, dass wir gesehen werden, dass wir gehört werden: die wahre weibliche Stimme ist zu leise und zu piepsig, um wirkliche Relevanz zu haben.

Wir halten uns selbst klein und das in Zeiten der Emanzipation, der berufstätigen Karriere-Frau!

 

 

 

2. Ich bin zur zeit bloß zu Hause und Mama

 

 

Verschämt geben wir zu „nur“ Mama zu sein. Ja, ganz bald „gehen wir auch wieder richtig arbeiten“.
So als wäre diese Mama-Job keine richtige Arbeit.

Hey, ich bin total gerne Mama, ich finde das ist eine saumäßig anspruchsvolle Arbeit, die nicht jeder gut kann.

Hast du diesen Satz schon mal einfach so freiheraus gehört? Oder selbst gesagt?

Gedacht?

Wollen wir noch einen drauf setzen?

Ich habe schon immer davon geträumt Mama und Hausfrau zu sein.

Bamm!

Muss ich wirklich noch weiter ausführen? Dieser Teil von uns, der so viel von uns ausmacht, der unser ganzes Leben verändert wie nichts anderes, der wird verleugnet, klein gemacht und als „minderwertig“ betrachtet. Er ist „nur“ und „bloß“ und „nicht richtig was tun“.

 

3. Wir sind perfektionistische Perpetuum-Mobile

 

Und warum leiden so viele Frauen an Burnout, Depressionen und sind ständig kränklich und völlig am Limit? Vielleicht weil es eine abartige Überbelastung ist, einen „richtigen“ Job zu haben und dann noch diesen lächerlich minderwertigen „als Mama“?

Wir wuppen.

Wir wuppen alles. Frauen sind wahre Perpetuum-Mobile: sie kriegen Kinder, versorgen sie perfekt (und immer liebevoll, danke, ja!) und versorgen sich auch finanziell selbst, denn abhängig von jemandem zu sein ist ihnen ein Graus.

Wunderbare Perpetomobile. Wunderbare Arbeiterbienen, Rädchen, Systemträgerinnen, Selbstversorgerinnen: Hamsterrad-Betreiberinnen!

Aber was bleibt dabei auf der Strecke? Kraft für uns selbst, Kraft eine Stimme zu haben, die gehört wird: Kraft, unsere Größe zu spüren. Die Kraft gerade zu stehen, uns aufzurichten und gesehen zu werden!

 

4. Mama-Bashing

Ganz toll: wenn wir uns nicht selbst fertig machen oder unser Spiegelbild mit Schmutz bewerfen, dann tun wir das eben mit der andere Mama.
Mama-Bashing ist so verbreitet, dass es uns manchmal schon gar nicht mehr auffällt. Die andere Mama macht auf jeden Fall alles falsch und hast du ihre Wampe gesehen? Die hat doch schon vor 3 Jahren Entbunden!

Wir ziehen uns gegenseitig zurück in den Dreck und machen uns fertig: dafür brauchen wir die Männer schon längst nicht mehr! Die sind raus aus dieser Nummer.

 

5. weibliche Energie, fließe!!

Frauen-Power ist ein geflügeltes Wort.
Doch was für eine Vorstellung haben wir von diesem Wort? Wir sehen Samantha aus „Sex and the City“ vor uns. Die hat Frauenpower. Oder? Überhaupt, die Mädels aus dieser Serie, die sind doch der Inbegriff von „Frauenpower“. Frauen, die mit 37 immer noch Single sind, Kariere machen, Männer benutzen – bindungsunfähig, aber „erfolgreich“.

Ist das unser Frauen-Ideal?
Wirklich?

Doch was ist mit den Frauen, die lieben wollen und lieben können? Was ist mit den Frauen, die ihre Energie in unsere Zukunft fließen lassen, weil sie es sich wünschen (unseren Nachwuchs)?

Was ist mit den Frauen, die verbindend, vereinend, ausgleichend, harmonisierend wirken wollen?

Wird ihre Stärke gesehen und geschätzt?

Hört auf, euch für eure Stärken zu schämen, lasst eure weibliche Energie fließen, sie soll in alle Winkel dieser Erde fließen: sie soll alle erreichen.

Lasst euer Licht wieder strahlen!

 

Traut euch, Frau zu sein – emanzipiert euch!

 

Eine Frau muss kein sexy Vamp sein!

Auch diese unscheinbare, mit der Wolljacke und den silbernen Haarsträhnen dort ist eine Frau. Sie hat sicher ein paar Kilo zu viel oder zu wenig.
Sie hat eine zu lange Nase und ihr Haar ist dünn oder viel zu struppig.
Sie hat große Füße und knubbelige Knie oder seit der Schwangerschaft überhaupt keine Busen mehr.
Sie hat keine großen Rehaugen, sondern nur ganz normale, Pfützenfarbene.

Aber dafür strahlen sie, wenn sie lacht.

Und was ist ihr Lebenswerk? Was kann sie schon verändern?

Sie gibt all ihre Energie für das Leben und die Liebe!

Sie trägt unsere Gesellschaft.

Sie freut sich, dass sie keine Schmerzen hat.

Und sie nimmt sich fest vor, auch kein krankes und schmerzendes Selbstwertgefühl mehr zu haben. Das braucht sie nämlich nicht. Denn sie ist eine tolle Frau!

Dann wird sie gesehen.

Dann wird sie geliebt

Dann wird sie geehrt.

Als Frau.
Als Mama.

Obwohl sie nicht  perfekt ist!

 

seid liebevoll statt gestresst,
Eure Susanne

Ps: einen wunderschönen, selbstbewussten Weltfrauentag wünsche ich euch!!!!

 

Bildnachweis: Greyerbaby, Pixabay, 25. Mai 2014 / Annie Spratt, Unsplash / Shifaaz Shamon, Unsplash / KatJ, Unsplash/ Stephane Hermellin, Unsplash

 

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