Prinz Edu und das Geheimnis von Burg Milanblick (2. Kapitel)

An einem schönen, sonnigen Tag zog der neue Ratgeber des Königs in die Burg ein. Der König muss ja über das Land bestimmen. Das ist eine schwere Aufgabe. Er muss vieles bedenken. Deshalb hat er gerne einen Ratgeber.

Der neue Ratgeber war fein gekleidet und trug einen Hut aus Samt. Er zwinkerte Edu zu, der im Hof stand und zusah, wie der neue Ratgeber von seinem Pferd stieg. Sein Gefolge kam hinter ihm in den Hof geritten. Es bestand aus nur einer einzigen Person. Und die war nicht größer als Edu selbst: ein Junge mit strohblondem Haar, der sich neugierig im Burghof umsah. Er hatte Reiterhosen aus braunem Leder an und trug geputzte Stiefel, die glänzten
Der neue Ratgeber begrüßte Edu, wie es sich gehörte: Er verbeugte sich vor Edu, denn Edu war ja der Prinz von Milanblick. Also musste sich jeder vor ihm verbeugen.

Wenn Besuch auf die Burg kam, dann war das nicht so wie bei uns: die Diener kümmerten sich um alles!
Die einen machten das Tor von der Burg auf. Die hatte eine wunderschöne Zugbrücke. Die wurde herunter gelassen, damit der Besuch überhaupt herein kommen konnte.
Andere Diener kümmerten sich um die Pferde. Ein Diener, führte den Besuch herein in die große Halle.
Zum König auf seinem Thron und der begrüßte den Besuch. Alle mussten sich wieder verbeugen und es wurde furchtbar viel geredet.

Später gab es an einem langen, langen Tisch so viel zu essen, wie es in einem ganzen Gasthaus nicht gibt. Der Tisch war übrigens auch so lang wie ein ganzes Gasthaus. Diener brachten die Speisen und die Getränke – sie räumen später auch ab, putzen und fegen, praktisch, nicht?

Zum Glück waren alle so beschäftigt mit Begrüßen und Essen und wieder Reden, das keiner an den kleinen Prinzen und den Jungen des Ratgebers dachte. Die standen draußen im Burghof, als es schon langsam dunkel wurde und sahen sich an.

„Ich bin Prinz Edu“, sagte Edu.
„Ich weiss“, sagte der fremde Junge. Er lachte. „Hast du den Drachen schon gefunden?“, fragte er. Edu stutzte. Drachen? Welchen Drachen?
„Ach, ich soll es dir nicht sagen!“, murmelt der Fremde.
„Warum?“, fragte Edu.
Der Junge zuckte die Schultern. „Er soll jedenfalls drei Köpfe haben“
„Ha!“, sagte Edu. „Ein dreiköpfiger Drache in meiner Burg!“

Sie starrten sich wieder an und wussten nicht so genau, was sie jetzt miteinander anfangen sollten. Edu freute sich, dass der fremde Junge da war.
„Ich zeig dir was!“, sagte Edu schließlich und rannte los. Der Junge folgte ihm. Edu war ein bisschen schneller als der Andere.
Sie rannten durch das kleine Tor, durch die Küche, huschten zwischen Dienern hindurch, die Schüsseln voller Essen trugen. Einer schob Edu ein Rosinenbrötchen zu und Edu winkte und rannte weiter, dicht gefolgt von dem anderen Jungen.
Edu rannte die Treppen hinauf.
Das waren so viele Stufen, wie ihr euch nicht vorstellen könnt. Vielleicht dann, wenn ihr schon mal auf einer echten Burg wart. Oder wenn ihr mal auf einen Turm gestiegen seid. Aber der fremde Junge war es wohl nicht. An einem, der kleinen, schmalen Turmfenster blieb er stehen, keuchend vom Rennen und sah hinaus.
„Hoch!“, stöhnte er. Edu lachte. „Es geht noch höher!“, rief er und rannte weiter.

Sie liefen durch Säle und rannten weitere Treppen hinauf. Sie gingen im Kreis, immer im Kreis, bis sie schließlich auf dem höchsten Turm der Burg standen. Der Wind pfiff hier oben kalt und die Welt unter ihnen lag dunkel da. Nur ganz weit hinten, wo der Himmel und die Erde sich berühren, da war noch helle Wolken zu sehen.
Als es noch Könige und Ritter gab, also als Edu lebte, da gab es noch keine Straßenlaternen. Auch kein Strom. Man konnte auf keinen Lichtschalter drücken, damit es hell wurde. Deshalb war die Welt, die sie jetzt sahen auch wirklich, wirklich dunkel. Schwarz. Nur im Dorf unten konnten sie ein paar erleuchtete Fenster sehen. Dort hatten die Leute sicher ein Feuer gemacht, oder eine Kerze aufgestellt.

Sie drehten sich um und gingen auf die andere Seite der Turmspitze. Jetzt konnten sie den Burghof sehen und dort brannten wenigstens Fackeln.
„Ich kann diese Fackel dort ausspucken!“, sagte Edu großspurig. Der andere Junge kicherte. „Nö, das schaffst du niemals!“, sagte er.
Und Edu spuckte. Aber natürlich konnte er keine Fackel ausspucken. Sie konnten nicht mal sehen, wo die Spucke landete. Aber der andere Junge holte Schwung und versuchte es ebenfalls. Er spuckte in hohem Bogen und kurz danach ertönte im Burghof ein wütender Schrei. „Donner und Doria, regnet es wohl?“, rief die Stimme aus dem Burghof und Edu und der Junge wussten, das er jemanden auf den Hut getroffen hatte. Sie kicherten und lachten. Sie lachten so sehr, dass Edu Schluckauf bekam.
Erst als sie nicht mehr lachen mussten, sagte der fremde Junge: „Ich heiße Wolfrad. Du kannst mich Wolf nennen“
Jetzt war er kein fremder Junge mehr, dieser Wolf. Und Edu hatte endlich einen richtigen Freund.
Edu zog das Rosinenbrötchen aus der Tasche, das er bekommen hatte und brach es in zwei Hälften. Er gab Wolf das größere Stück an und aß selbst das kleinere. Es schmeckte herrlich.

Was die beiden noch erleben und ob sie das Geheimnis um den dreiköpfigen Drachen lösen, erfährst du in den nächsten Kapiteln…

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