Gemeinsam einsam in der Beziehung? Schluss mit der Enttäuschung – Hier ein Upgrade!

Hier geht’s um den absoluten Klassiker einer Beziehung. Wirklich, ich glaube ich kenne im Umfeld keine Beziehung, die dieses Problem nicht wenigstens ab und zu berührt:
Sie ist enttäuscht und fühlt sich allein gelassen (er hört nie zu)
Er hat das Gefühl: „Ich kann’s ihr auch nie recht machen!“

Ich bin absolut kein Fan von „Männer sind so – und Frauen ganz anders“- Aussagen. Das pauschalisiert und steckt in Schubladen und die helfen keinem gemeinsamen Verständnis. Bei diesem Thema erschien es mir bei der Nachforschung aber dermaßen auffällig, das ich tatsächlich pauschalisiert habe. Es ist in allen mir bekannten Beziehungen klassisch verteilt und bei keiner Beziehung andersherum zu finden.

Dank meiner nervigen Penetranz, (Hier ein Linkund schließlich der Antwort von meinem Mann (vielen Dank dafür, sehr Erkenntnisreich!) konnte ich den Grund für dieses Problem lösen. Bzw. eigentlich er.

Achtung! Das Problem ist vererblich und ansteckend: RNS: Rotkäppchen-Nirvana-Syndrom.

Symptome:

„Er kommt vom Arbeiten heim (halbe Stunde Arbeitsweg) und ist total ko. Es reicht aber nicht, das er eine weitere halbe Stunde Pause macht, ohne Kinder, nein, es müssen 4 Stunden sein. Danach kommt er halblebig für die letzten Minuten Familienleben dazu, um den Kindern noch einen gute Nacht Kuss zu geben. Danach ist er fit zum Zocken und Facebooken und zwar bis halb 12 Uhr abends – „Schatz, ich bin halt müde vom Arbeiten. Zocken muss ich zum entspannen. Anders kann ich eben nicht abschalten““

„Er hat frei, ist aber nirgendwo zu finden. Vielleicht in der Werkstatt oder ist er gerade auf dem Klo? Das dauert aber lange. Wahrscheinlich liest er online irgendwas oder ist er doch noch kurz zum Werstoffhof gefahren? Ist ja auch wichtig. Blöd nur, das ich gerade kochen wollte und auch Hilfe mit den drei Kindern bräuchte. Suchst du Papa mal? Sonst kochen mir die Nudeln über. Ach. Er ist auf dem Dachboden. Ok. Dann frag ihn mal wann er kommt. *Geschrei von oben* „Raus hier, lasst mich in Ruhe, das hier ist wichtig!!““

„Er ist anwesend. Alle sehen seinen Körper auf der Sofakante hocken. Aber der Blick sagt schon alles. Nirvana.
„Papa?“, fragt der Sohnemann. „Papa?“ und noch 10-Mal. „Papaaaaaaa?!“ Papas Blick wird etwas klarer, er beginnt dir unvermittelt eine Information zu geben „Ich muss noch den Familienpass beantragen, du musst da am Donnerstag anrufen, nicht vergessen!“ Sein Sohn brüllt dazwischen: „Papaaaa, ich wollte grad wa-“
„Ich red jetzt!“ fährt Papa stimmgewaltig und genervt dazwischen. Sohn heult. Papas Blick wird wieder glasig“

„Alle werkeln irgendwas. Papa sortiert Formulare, Kinder spielen, Du putzt mal endlich wieder Fenster. Kind braucht eine Kanne voll Wasser für den Sand. Du unterbrichst dein Fensterputzen und läufst um Wasser zu holen. Kind zufrieden. Zwei Minuten später: Kind hat Hunger und will Apfel. Geschnitten. Ohne Schale. Du wirfst einen Blick auf deinen Mann, er hat offensichtlich nichts gehört. Du unterbrichst deine Arbeit. Wäschst dir die Hände gründlich, wegen Fensterputzmittel. Schneidest Apfel. Ohne Schale. Kind zufrieden. Du wieder zum Fenster. Kind spielt und isst. Postbote klingelt. Mann blickt auf: „Gehst du schnell? Ich kann grad nicht!““

 

Wenn dir also eine dieser Situationen in deiner Beziehung bekannt vorkommt, dann leidet dein Mann, wie viele andere an RNS – Rotkäppchen-Nirvana-Syndrom. Das bedeutet: er ist einfach nie da. Er ist nie da. Da-sein kann er nicht.

Es ist das Einzige, was du dir von ihm wünschst: sei doch endlich mal da.

Das ist doch nicht so schwer. Denkst du vielleicht. Wieso tut er es nicht einfach? Wieso sitzt er lieber am Computer, als bei uns, seiner Familie zu sein?

Ich finde es faszinierend. Egal welche Frau (Oma, Freundin, Tante, egal!) mich besucht, sie ist da. Ohne Schwierigkeiten. Sie fragt, ob sie was beim Schnippeln helfen soll. Sie holt sogar mal ein Taschentuch, oder hilft automatisch beim Schuhe anziehen mit. Sie beantwortet schwierige Fragen zum Universum und dem Inhalt von Vulkanen oder wie hoch Pumas springen. Gleichzeitig kann sie mit mir quasseln und interessante Themen wälzen. Immer. Alle. Echt!

Ich will hier die Väter echt nicht bashen. Ich glaube von meinem Mann absolut, dass er in vielen Dingen viel besser wäre, wie ich. Wenn er halt nur mal da wäre. Er könnte garantiert besser Streit schlichten. Er kann sich tausend Zahlen merken (Wie schwer können Ameisen tragen und welcher Fisch springt am weitesten) und technische Details besser erklären. Er erklärt überhaupt viel besser. Geduldiger. Er hört ihre Frage nur gar nicht.
„Frag das mal Papa. Thomas? Kannst du das erklären? Ja. Er hat gefragt, wie hoch das höchste Haus der Welt ist“. (Du warst doch gerade auch da. Im selben Raum. Wo warst du nur? Wenn du doch da wärst!)

Ok. Aber wie können wir dieses Problem lösen? Wie können wir die RNS von unseren Männern verbessern? Mit Medikamenten (Bier)? Mit Schocktherapien(Mit den Kindern allein lassen)?

Warum fehlt den Männern diese Kernkompetenz: “da-sein”?

Hier möchte ich gerne meinen Mann zu Wort kommen lassen. Mir fehlt nämlich das Einfühlungsvermögen für RNS. Es ist für mich unbegreiflich.

Deshalb hier die Worte eines echten Mannes:

„Wir Männer möchten Helden sein. Wir möchten auf dem einsamen Berg stehen und nach dem alles verschlingenden Feuer der Hauptverantwortliche für die Rettung der Welt sein. Aber wir wollen das nicht der Welt mitteilen müssen, sondern die Welt soll von selbst darauf kommen. Und uns verehren, beweihräuchern, beschenken und mit Gold und Liebe überhäufen.
Frage: „wann ist ein Held ein Held?“ (Zitat Film Herkules)

Wir wollen uns für unsere Familien in die Schußbahn werfen und todesmutig allen Gefahren trotzden. Keine Herausforderung ist uns zu groß: The Sky is the Limit. Das dumme an dieser Sache ist, damit fährt man mit tausend Versuchen tausend Mal gegen die Wand. Unsere Familien brauchen das zwar alles, aber das ist die Basisversion. Kommen wir zum Upgrade:

Für unsere Frau und für die Kinder ist es so vieles mehr wert, wenn wir einfach nur da sind. Geistig und körperlich präsent. Das merkt man an sich selber immer daran, dass man die kleinen, humorvollen Einlagen, die jedes Kind bringt, mitbekommt. Oft sogar im Minutentakt. Wir sind dann ein (echter) Held, wenn wir erkennen, das wenn es Nudeln mit Tomatensoße gibt, es so viel cooler ist, gleich einen nassen Waschlappen in der Nähe zu haben um nicht extra vom Essen noch mal aufstehen zu müssen. Wenn wir der Geschichte unseres Sohnes/Tochter von Anfang bis zum Ende zuhören und Bezugsfragen stellen, die das Kind versteht. Wir sind dann ein Held, wenn die in unseren Augen total sinnlosen, umständlichen oft widersprüchlichen Anforderungen (Hier ein Link zum Unterschied zwischen Bedürfnissen und Wünschen) und geduldig beherzigt werden. Und auch wenn man dasselbe Märchen schon rückwärts auswendig vorlesen kann, es trotzdem mit jungfräulicher Begeisterung vorträgt. Weil das Kind nicht die Geschichte hören will, sondern den lebendigen Vater an seiner Seite.

Man muss davon wegkommen, der alleinige Held zu sein zu wollen. Man muss mit seiner Frau eine Einheit bilden. Wie ein Spezialistenteam bei dem der eine die Bombe entschärft und der andere sie wegtragen kann. Beides zusammen würde den Horizont und die Fähigkeit der Einzelperson langfristig übersteigen und zu deren Zermürbung führen. Man muss sich von einer ewigen Gewinn-Verlustrechnung durch Konkurrenzkampf verabschieden. Weil die Harmonie innerhalb einer Familie/Beziehung keinen mathematischen, rationalen oder logischen Grundsätzen folgt. Sie folgt oft nicht mal dem gesunden Menschenverstand, sondern einzig und allein dem Weg des Herzens. Für eine Frau ist es viel mehr Wert im richtigen Moment das richtige zu tun und da zu sein, als irgendwo im Nirvana heldenhafte Schlachten für die Zukunft zu gewinnen (Rechnungen bezahlen, Handyverträge vergleichen, das richtige Auto kaufen). Diese sind natürlich auch wichtig. Aber alles zu seiner Zeit“.

Sprich, den Männern sind folgende Handlungen oder Themen einfach zu poplig: Dinge wie Schneckenschupsen, Schnüre zum Pferdspielen schneiden, Löwenzahnketten-basteln, Holztraktoren anhängen, Playmobilhaare aufsetzen, Legoarme anbauen, Melonen schneiden, Kordeln, Hosenläden schließen. Dabei kommt kein Mammut und kein Waldbrand vor.
Ist die Frau gerade da und präsent, schaltet der Mann auf standby: er sucht sich dann ein anderes Schlachtfeld.

War er beim Arbeiten – will er nach Hause kommen und dafür gelobt und angehimmelt werden.
Sitzt er da und starrt Löcher in die Luft, ist er vielleicht im Geiste mit etwas “Wichtigerem” beschäftigt und denkt an die nächste Heldentat.
Springt er nie auf oder unterbricht seine Arbeit (zum Schnullersuchen) – dann erscheinen ihm die Unterbrechungen nur Kinkerlitzchen, die ihn nichts angehen, auf dem Weg zum Heldentum. Das ist frustrierend für uns, denn wir wünschen uns, das unser Held einfach nur da ist – und damit wäre er ein echter Held.

Es ist aber auch frustrierend für ihn! Er hat das Gefühl „Es niemals recht machen zu können“. Da hat er tausend Kämpfe ausgefochten, den besten Handyvertrag heraus gesucht, die Netflixrechnung bezahlt und sogar den Werstoffhof angesteuert und sie sitzt in der Ecke und heult. Das Weib muss einfach undankbar sein! Absolut frustrierend – ein Killer für die Beziehung!

Praktische Nothilfe:

Darüber reden.

Das klingt vielleicht läppisch. Aber es hilft. Männer sind ja keine Idioten, sie verstehen sehr wohl, wenn man ihnen erklärt, was genau uns freuen würde. Wenn du ihnen dazu noch erklärst, warum er sich so fühlt, als würde er es nie recht machen können – super! Es fällt ihm garantiert ein Stein vom Herzen, wenn er weiß, was er “falsch” macht. Dabei ruhig erwähnen, dass es gar nicht “falsch” ist, nur ein Missverständnis.

Ihn loben:

Das ist naheliegend: er möchte der Held sein, also lass ihn der Held sein. Lobe ihn dafür, wenn er merkt, dass der Kleine die Windel voll hat. Lobe ihn am besten vor anderen. Das ist nicht immer so einfach. Viele Männer tun das Lob dann ab, oder fühlen sich sogar unbehaglich- es erreicht sie aber trotzdem.

Erinnern:

Hilf ihm freundlich (auf keinen Fall vorwurfsvoll), sich daran zu erinnern, was gerade wichtig ist. “Schau mal, er will dir nur kurz ein Bild zeigen”; oder: “es wäre jetzt super, wenn du den Kleinen kurz rumtragen könntest”; oder: “das ist jetzt so eine Situation, in der es schön wäre, wenn du da wärst, da würden wir uns sehr freuen”. Es ist bei keinem Menschen leicht, eine alte Gewohnheit zu ändern. Nur weil man etwas einmal besprochen und kapiert hat, heißt es nicht, das man immer daran denkt. Das ist wie beim Nägelkauen: ab und zu braucht man sicher erneut einen lieben Hinweis darauf, das man wieder kaut.

Zückerli:

Es ist verdammt sexy, wenn ein Mann anwesend ist und auch wirklich dabei anwesend ist. Wenn er direkt eingreift, eine witzige Situation direkt mitkriegt, dich hört und sieht. Wenn er die Kinder nicht unvermittelt und völlig sinnlos anbrüllt (weil sie ihn bei seiner Heldentat nerven). Das sagt schon der Datedoctor Will Smith im Film: wenn sie im Raum ist, sei bei ihr. Das kannst du deinem Mann auch sagen. Das motiviert ganz sicher!

Ich hoffe wir konnten zum Verständnis in Eurer Beziehung beitragen

Und freuen uns über rege Kommentare

Susanne/Thomas Bregenzer

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