Du kannst deinen Partner nicht ändern – oder etwa doch?

Diesen Satz kennt doch wirklich jeder, oder? Du kannst deinen Partner nicht ändern… nur dich selbst. Damit machen wir es uns verdammt leicht: anpassen geht nicht, also wechseln, oder was?

Jetzt gibt’s eine Neuigkeit für dich: Es stimmt nicht. Du kannst deinen Partner verändern. Und du hast auch schon. Du hast schon unzählige Male Jemanden verändert. Ich verrate Dir wie.

Veränderungen sind nicht zwangsläufig etwas Schlechtes, auch wenn dieser Satz impliziert, dass sie schlecht sind, sobald jemand anders sie anregt.

“Mein Sohn hat sich sehr verändert: er ist vom Krabbelkind zum Laufkind geworden”.

“Ich habe meine Essgewohnheiten verändert und einige Kilo abgenommen”.

Änderungen sind nicht automatisch etwas Schlechtes. Wir wollen doch nicht ernsthaft von 18-99 Jahren so bleiben, wie wir sind?! Und wofür haben wir unser soziales Umfeld, wenn nicht dafür, das es uns bei Veränderungen beisteht?

Natürlich ist dein Partner kein Automat, in den man oben 10 Cent rein schmeißt und auf „Baby nachts hören“ drückt und das kommt dann dabei heraus. Das funktioniert in der Tat nicht. Wenn genau dies dein Problem ist, ist es wirklich leichter, deine Einstellung zu überdenken: solange du das Baby hörst und versorgst, hört dein Partner es nicht, denn er vertraut Dir voll und ganz.  Ist doch schön. Dein Partner macht garantiert andere Sachen, die du übersiehst. Frag ihn doch mal danach?! Wenn du absolut nicht mehr kannst und unbedingt Unterstützung in der Nacht brauchst und es wirklich ein Problem in eurer Beziehung gibt, das durch eine andere Einstellung oder Sichtweise von dir absolut nicht zur Lösung deiner Situation führt, dann brauchst du ein paar Zutaten, mit denen du eine Änderung bewirken kannst. Leider kann ich dir dennoch keine Garantie geben. Risiken und Nebenwirkungen musst du selbst tragen. Aber vielleicht kann ich dir  Hoffnung geben und dich in deinem Tun stärken…

1. Schluss mit Manipulationen

Um eine Änderung zu bewirken, ist es zuallererst wichtig, offen zu handeln und nicht zu manipulieren. Manipulation führt zur inneren Trennung zwischen euch beiden. Offenheit führt zur inneren Nähe. Wenn du durch Manipulation eine Änderung erreichst und dein Partner kommt dahinter, wird er dich dafür hassen!
Wenn du ihm gegenüber absolut offen bist und von dir sprichst, kannst du die Liebe zwischen euch stärken und ihn dort erreichen, wo er gerne auch offen für dich ist.

Du willst mit einem Erwachsenen sprechen? Dann versuche deinen Partner von der erwachsenen Ebene aus zu erreichen.

2. innere Sicherheit

Du musst dir über das Problem so bewusst werden, dass du dir sicher bist, dass es ein Problem ist, das mit/durch/wegen deinem Partner besteht. Um mit einer Schwierigkeit an deinen Partner heran zu treten, brauchst du innere Sicherheit. Du musst nämlich an seinem Abwehrmechanismus vorbei kommen:

Es gibt da diesen Wächter – den Abwehrmechanismus. Er soll vor Verletzung schützen. So einfach.
Er ist ein wahrer Überlebenskünstler. Ein Chamäleon. Er kann als Clown, als Ritter in Weiß, als Oger aus dem Sumpf oder als sabbernder Gollum auftreten. Er ist fies, gemein, hört nicht zu, singt laut, schlägt Purzelbäume oder zerreißt sich in der Luft. Er opfert seine Linke Hand oder heult und all das zu dem Zweck des Schutzes.

Der Abwehrmechanismus wird schnell existenziell.  Er droht mit Selbstmord, oder mit dem Ende einer Beziehung. Er tritt als dunkler, drohender Gandalf auf, der sich aufbläst und wächst. Er spricht die Gefühle des Eindringlings an, bei denen er landen kann.

Angst
Unsicherheit
Innere Zweifel.

Je besser sich zwei Menschen kennen, desto besser kennen sich die beiden Kartenhaus-Wächter. Sie kennen die Schwäche des anderen. Sie kennen die Ängste und Unsicherheiten. Und genau da dreschen sie rein. Immer rein.

„Du zockst schon wieder Computer. Das finde ich schlimm“. (Angriff aufs Kartenhaus)
„klar, das findest du nur schlimm, weil du selber keine Hobbys hast“. (Rückschlag des Karten-Wächters)„Du hast kein eigenes Leben und nur deshalb stört es dich, dass ich zocke“.
Strike. Sieg auf ganzer Linie. Keiner lässt sich gerne vorwerfen, er hätte kein Leben.
1:0 für den Abwehrmechanismus.

„Du fühlst dich nie verantwortlich für die Kinder!“
„Kommst du etwa nicht klar mit ihnen? Ich hab ja gleich gewusst, dass wir nicht noch eins bekommen können!“
Bam. 2:0. Tor und Sieg.

„Kannst du noch bei der Bank anrufen?“
„Klar, ich mach hier ja immer alles. Lade mir ruhig alles auf!“

„Wenn du so weiter machst, hat das hier alles keinen Sinn mehr!“

„Wenn du mich weiter so behandelst, kann ich genauso gut von der Brücke springen“

Stopp!Aus! Sitz. Platz. Friss deinen Knochen und schweig!

Um wirklich zueinander zu finden, muss der Abwehrmechanismus leider verbrannt werden.

Wenn du dir im Klaren darüber bist, dass du erstmal IMMER diesen Abwehrmechanismus treffen wirst, sobald du etwas ansprichst, das unangenehm ist, bist du gut gewappnet. Du musst nicht auf die explosiven Minen steigen, die er hinterlässt. Du weißt: hier spricht nicht dein Partner, nicht sein innerer Kern. Hier spricht der Trottel, den er automatisch voraus schickt.
Dafür kann er erst mal nichts. Das wird dir umgekehrt genauso passieren. Also verzeihe ihm möglichst, oder höre erst gar nicht zu.

Wenn du manchmal denkst, die Beziehung mit einem/einer anderen zu führen, wäre irgendwie leichter, dann hast du zu lange deinem persönlichen Abwehr- Saruman zugehört, der dir mit süßlicher Stimme böse Gedanken ins Ohr geflüstert hat, bis du grau und schwach bist und blind.
Denn: jeder Mensch hat Abwehrmechanismen. Ob sie nun böse oder albern sind, fies oder hinterfotzig, sie sind hässlich und sie tun weh. Alle auf ihre Art. Wenn du mit den Abwehrmechanismen deines Partners nicht umgehen kannst, wirst du es auch nicht mit denen eines anderen Partners schaffen.
Also lerne es lieber gleich jetzt und hier.
Der Vorteil: diese fiese Meute kennst du schon.

3. Zeit

Abwehrmechanismen haben meistens kein sehr großes Stehvermögen. Mit ein bisschen Zeit und Geduld von dir, und erfolglosem Säbelrasseln von ihm, wird er sich verziehen. Dann dringt die Botschaft an den eigentlichen Empfänger durch: den inneren Kern deines Partners.
Bei uns dauert das manchmal nur ein paar Minuten, manchmal einen halben Tag. Dann ist die Wut verraucht.

Oft setzt sich dann aber der Alltag über das Problem: es ist so viel los und so viel zu tun, das es irgendwie untergeht. Da war zwar ein Streit – aber egal, ist ja wieder Frieden. Geklärt ist nichts. Deshalb brauchst du eine weitere Eigenschaft:

4. Penetranz

Klingt nicht so nett, ist es auch nicht. Aber es hilft. Wenn der Streit vorbei und die Wut verraucht sind, kannst du noch mal anklopfen. Manchmal kann es sein, das du echt Pech hast: das ganze Gestreite geht von vorne los. Aber es geht ja auch nicht um nichts: es geht um eure Beziehung. Es geht um Euer gemeinsames Leben und darum, keine Resignation über alles zu legen und euch innerlich zu trennen. Es geht um einen gemeinsamen Weg. Also:

“Geduld, nur Geduld” (Tomte Tummetott)

Eine Portion Penetranz im Umgang mit Abwehrmechanismen, bzw. mit Partnern zu besitzen ist prima. Nicht gleich abschrecken lassen und die Fühler einziehen.

Falls dir das besonders schwer fällt und du in diesen Situationen darüber nachdenkst, ob es nicht noch einfühlsamere und offenere Partner auf der Welt gäbe: vergiss es! Genau genommen hast du es hier mit deinem eigenen Abwehrmechanismus zu tun: der dir verkündet, das die Taube auf dem Dach viel besser wäre. Er versucht dich mit diesen Zweifeln und Ängsten vor Verletzung zu beschützen, aber auch vor echter Begegnung.
Scheiss drauf! Das ist es auf jeden Fall wert! Du wirst es nämlich schaffen: du wirst zu deinem Partner vordringen. Und dort, wo sein Inneres ist, ist er einfühlsam und offen.

5. Verständnis

mehr Verständnis, weniger Verachtung. Ein Mensch hat/macht Fehler. Wenn du einen erkennst, verachte die Person nicht. Es gibt einen Grund, für sein Verhalten. Manchmal sogar einen sehr ritterlichen. Deine Aufgabe? Deinen Partner verstehen und ihm deine Situation verständlich machen. Er sitzt nicht in deinem Kopf und kann jeden Gedanken mithören, den du denkst.

Am Abend beim Kochen mit drei Kindern, gehts bei uns oft ziemlich stressig zu. Mein Mann kommt heim, sieht, die Kinder “zerren” an mir oder blödeln in der Wartezeit herum, oder wollen alle gleichzeitig etwas von mir. Er sieht ich bin gestresst davon. Was tut er? Er brüllt alle an. Alle drei Kinder heulen. Stresslevel noch höher als vorher!

Sein Grund? Er wollte mich vor der Überbelastung “retten”. Er empfand die “Attacken” der Kinder als ungerecht und feindlich und wollte sein Weib aus der Umklammerung der Drachen befreien.

Als wir seinen Grund heraus fanden, konnten wir darüber reden, was allen wirklich helfen würde: jetzt liest er den Kindern lieber etwas vor, oder deckt mit ihnen gemeinsam Tisch. Oder er trägt wenigstens den Kleinsten herum und lässt sich von ihm Geschichten erzählen.

6. sinnvolle Zielsetzung

Das klingt höchst amtlich und gar nicht nach Begegnung. Aber es ist einer der wichtigsten Punkte: um wirkliche Änderungen zu erreichen musst du etwas vor Augen haben: diese Änderungen muss beiden etwas bringen. Du hast dir ja schon Gedanken über das Problem gemacht, es eingekreist. Überlege genau, was bei der Umstellung für deinen Partner „herausspringt“. Natürlich ist er für ein paar Tage oder Wochen bereit etwas „nur für Dich“ zu tun. Aber das hat leider ebenso wenig Stehvermögen wie der Abwehrmechanismus.
Das klingt so, als wären wir alles kleine Egoisten. Das ist im Grunde richtig: die Änderung unseres Verhaltens ist sehr viel Energieaufwand. Das macht niemand auf Dauer für jemand anderen: in dem Moment wo der andere einen nervt, würde man es sofort lassen. Das ist wie mit dem Rauchen aufzuhören, weil es den Freund stört: heute war der Freund blöd, gebt mir Zigaretten. Viel. Sofort!

Wenn es dir so vor kommt, als hätte die Veränderung kein Plus auf der Seite deines Partners, dann sprich genau das an. Er hat vielleicht selbst eine Idee, was ihm diese Veränderung bringen könnte. Manchmal überrascht mein Mann mich mit Lösungen und Erkenntnissen, die er selbst aus einer Veränderung herauszieht.

7. Geduld, nur Geduld.

Um eine Vorstellung oder Einstellung zu ändern, braucht es manchmal Jahre. Unsere guten Freunde beschäftigen sich stark mit gesunder Ernährung. Zuerst haben wir uns das alles nur angehört, als kämen sie von einem fremden Planeten und ihre Ideen wären völlig absurd. 5 Jahre später hat sich unsere Küche großteils der ihren angepasst und es ist immer einfacher ein Essen zu finden, das wir sowieso beide essen können. Wir haben so „völlig absurde“ Lebensmittel wie „Xylit“ und „Gerstengras“ im Haushalt und unsere Suppenbrühe ist absolut zuckerfrei. Ich backe Rohkostkuchen und wir trinken jeden Mittag Greensmoothie. Wir denken sogar darüber nach Vegetarisch oder Vegan zu leben.

Was ich damit sagen will: Geduld, nur Geduld. Du hast deinen Mann damit überrumpelt, dass du dein Kind mehr als ein halbes Jahr stillen willst? Oder das du Kleider aus Akryl nicht an dein Baby lässt? Es ist schwer für ihn, diese Vorstellungen nachzuvollziehen? Dann gib ihm Zeit.
Vorstellungen sind wie Samen, die man pflanzt: sie wachsen und werden größer. Wir müssen sie nur ein wenig gießen und Sonne dran lassen, dann werden sie irgendwann blühen. Gib nicht auf, Vorstellungen zu ändern ist so verdammt schwer.

8. Immer wieder…

Manche Dinge brauchen nicht nur Zeit, sondern Wiederholung. Alte Verhaltensweisen sitzen manchmal fest und tief. Ein Mensch der immer gelernt hat, seine Bedürfnisse zu verheimlichen, weil sie sonst nicht ernst genommen werden, wird es immer wieder tun. In Stress-Situationen fällt er also in alte Verhaltensmuster zurück. Er braucht immer wieder die Erkenntnis: hier werden meine Bedürfnisse ernst genommen und ich muss sie nicht verstecken.

Änderungen gehen in Spiralen vor sich: zuerst ein Aufschwung, viel Energie für das neue Verhalten, dann kommt der Alltag und man fällt wie zurück in alte Muster um sie dann erneut abzubauen. Aber wie bei einer Spirale wird das Alte immer weniger, immer schwächer und das Neue kommt immer öfter, bis man durch ist.

Hier gibt es aber Grenzen. Ich glaube, manches Verhalten zieht zwar die Versprechung nach sich „es nicht mehr wieder zu tun“, ist aber auf diese Weise meist nur ein Lippenbekenntnis: hierbei handelt es sich um Suchterkrankung oder der Neigung zur Gewalt. Ich rufe ausdrücklich dazu auf, dieses Spiel von erkrankten Personen, das im Kreis dreht, nicht mitzumachen!

9. Das Universum

In China fällt ein Sack Reis um…
Vertraue darauf, dass du etwas ändern wirst. Durch deine Anwesenheit, durch dein eigenes Leben, deine Energie wirst du etwas ändern. Manchmal auf ganz andere Arten, als wir es uns denken. Im Oben genannten Beispiel von unseren Freunden und der gesunden Ernährung: Ich schätze mal, es war nicht direkt ihr Plan uns zu ändern. Sie setzten uns nie die Pistole auf die Brust, so nach dem Motto: wir können nur Freunde sein, wenn ihr auch keinen Zucker mehr esst. Das hätten wir auch abgelehnt.

Die Energie, mit der du dein Leben lebst, Änderungen angehst, die wird strahlen, auch auf deinen Partner. Vielleicht ändert sich an einer ganz anderen Stelle etwas dadurch. Also habe Mut und bleibe dran!

 

Ich bin gespannt, auf eure Kommentare…

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