Eltern – Harmonie! Ist eure Rollenverteilung Zukunftsfähig?

Kennst du diese unglückliche Rollenverteilung? Sie nörgelt, er hats witzig?

Zähne putzen, Aufräumen, Hausschuhe an, Mütze auf, warte mal, Salat essen, Gemüse probieren, Hausaufgaben, hau deinen Bruder nicht mit der Fliegenpatsche,… Wir kennen das doch.
Manchmal hat man das Gefühl, ein nörgelnder Dauerbrei zu sein, der ständig auf repeat läuft.

Dann kommt der Partner nach Hause und hat riesigen Spaß mit den Kindern. Er tobt mit ihnen auf dem Bett und nimmt sie auf den Arm, lacht über ihre Witze und ist so schrecklich viel netter als du.

Das ist voll ätzend. Oder?

Nein. Eigentlich nicht. Er hatte ja auch Abstand. Er hat seine Kinder vermisst. Er hat sich nicht mit klebrigen Kinderhänden und Gekreische über dieses eine, wahnsinnig viel tollere Duploteil rumgeschlagen. Er durfte allerdings auch nicht sehen, wie der Kleinste das erste Mal vom Boden aufgestanden ist und frei im Raum stand.
Er hat nicht die Geschichte von der Kindergartenfreundin gehört, die den Größten gehänselt hat und auch nicht gesehen, wie lieb der Mittlere sich um den Kleinsten gekümmert hat, als dieser dann wieder umfiel.

Trotzdem anstrengend. Der Partner ist nämlich auch am Wochenende nur der Witzige. Der Nette. Und du die Nörgeltante. Das ist eure Rollenverteilung?  Du hast das Gefühl noch ein Kind mehr zu haben am Wochenende. Oder?
Er macht Versprechungen, sucht stundenlang dieses eine Holzmesser, ließt vor, baut ein Haus aus Ästen, alles, was du selbst nie schaffst, weil du den Alltag managen musst. Weil du das Baby rumtragen musst. Weil du schwanger bist und total ko. von den durchwachten Nächten.

„Dad ist lustig“
„Ja das ist er. Das ist er wirklich. Man kann aber nicht zwei lustige Eltern haben“. (Zitat: Claire Dunphy aus Modern Family)

Doch, man kann!

Und ich kann dir sagen, wie.

Wie komme ich also aus dieser unglücklichen Rollenverteilung heraus?

1. Nörgeln überprüfen:

Zuerst einmal ist es wichtig, das du dir klar machst, wie viel Nörgeln überhaupt nötig ist. Vielleicht schaffst du es ganz allein dein Gemoser auf ein Minimum zu reduzieren. Ich kenne wunderbare Blogs zu diesem Thema:

Familienleicht.de von Lena Busch

elternmorphose.de von Aida S. de Roriguez

Das gewünschteste Wunschkind.de von Snowqueen und Danielle.

Es ist nämlich so, dass wir oft viel zu viel bemängeln. Ich habe einmal einen Test gemacht: An einem Tag habe ich nicht geschimpft und nicht genörgelt und nur schweigend Streithähne getrennt, wenn es gar nicht mehr ging.

Das Ergebnis: Der Tag verlief nicht anders, wie andere Tage. Es wurde genauso viel Gehauen, Gestritten, Hausschuh-los herum gelaufen, das Klo nicht gespült, die Hände nicht gewaschen, die Jacken durch den Flur geschmissen usw. Interessant, oder?

2. Selbstbild:

Siehst du dich wirklich als nörgelnde Ätztante oder ist das, was du sagst, auch wenn es nicht immer auf Jubel stößt, sehr wichtig?! Es ist wichtig, dass du die Kinder davon abhältst auf die Straße zu rennen. Es ist wichtig, dass du mit ihnen zum Zahnarzt gehst, auch wenn sie nicht wollen. Du musst ihnen ab und zu Fieber im Popo messen und eklige Wickel machen oder mit ihnen Inhalieren. Das gehört zu deinem Job. Es ist völlig verständlich diese Dinge als unangenehm zu empfinden, weil sie eben keinen Begeisterungssturm auslösen. Aber ich kann dir sagen: Genau das macht einen Elternteil aus. Sieh es einfach mal anders: Du nörgelst nicht. Du beschützt deine Kinder. Jeden Tag. Du bist für sie da. Du kümmerst dich auch um die weniger schicken Belange. Das ist wichtig. Wer sollte es denn sonst tun? Sie sind noch zu klein dafür.

3. Bild des Partners:

sieh dir deinen Partner genau an. Er hat Fähigkeiten, die du nicht hast. Mit großer Sicherheit. Er könnte dir etwas abnehmen, das dir selbst sehr viel Kummer bereitet oder dich anstrengt. Überlege dir, was das sein könnte.
Mein Partner z. B. hat sehr viel innere Kraft. Ich nenne das „einen hohen Energielevel“ (Zitate/Links, Cesar Millan benutzt diesen Begriff. )
Mein Mann kann mit seiner inneren Kraft die Familie tragen, oder er kann sie in Untiefen stürzen, wenn er schlechte Stimmung hat. Ich komme dagegen kaum an, weil ich einen niedrigeren Energielevel habe. Ich brauche ihn also an meiner Seite.
Genau das habe ich ihm so gesagt. Er war zuerst erschüttert, dass er wirklich so viel „Macht“ in unserer Familie haben soll. Aber er kann es inzwischen auch sehen. Es hat einige Zeit gedauert, aber jetzt sagt er selbst: wenn ich schlechte Laune habe, dann geht die Stimmung in der Familie hoch wie eine Bombe!
Mit seiner Kraft hat er jetzt z. B. den gemeinsamen Anfang bei den Mahlzeiten wieder durchgesetzt.
Heisst: ich muss nicht nörgeln: „Ihr sollt nicht schon anfangen, bevor nicht alle da sind blahblahblah, nörgelnörgel. Ich hasse das, ihr esst schon und ich muss noch hin und her rennen, das ist sehr unhöflich…“
Sondern mein Mann hat seine Kraft positiv eingesetzt um einen gemeinsamen Anfang zu gestalten. Er sagte zu den Kindern: „Ich möchte, das ihr noch wartet. Ihr könnt euch ja überlegen, was für einen Spruch wir machen wollen“.

Genau das kann dein Mann vielleicht nicht.
Aber er kann etwas anderes.
Und du wirst erkennen, was es ist und ihn darum bitten können. Und wenn er dir diese eine Sache schon mal abnimmt, dann passiert etwas Großartiges: er fühlt sich sinnvoll. Er weiß, womit er dir helfen kann. Das freut ihn so, dass er es vielleicht ausweitet und dir auch anfängt andere Dinge abzunehmen. Er entdeckt, was für väterliche Fähigkeiten er selbst besitzt. Und er freut sich, weil er nicht mehr nur der Pausenclown ist, sondern ein wichtiger Bestandteil der Familie. Damit hilfst du ihm, mehr der zu werden, der in ihm steckt. Und das hilft dir, aus deiner Nörgelecke heraus zu kommen.

Du hast damit aber nicht an deinem Partner herumgedoktert, bis er sich nach deinen Wünschen verformt hat.

Du hast ihm nur einen Weg gezeigt, wie er seine ureigenen Fähigkeiten einsetzen kann. Wie er ein stärkerer Vater und Partner werden kann.

4. Rollentausch:

Um zu verstehen und wirklich nachzufühlen, warum es in Familien oft zu so festen Rollen kommt, die keinem gut tun, kannst du euch beide bei einem Rollentausch beobachten. Dein Mann ist ja auch ein Mensch. Das heisst, es wird sicher Situationen geben, in denen er äzt. In denen er die Kinder anbrüllt. Oder wegschickt. Oder annörgelt. Du kannst dich dabei beobachten, wie du sie sofort in Schutz nimmst. Die Stimmung aufhellen willst. Mit ihnen Spaß haben willst. Dich solidarisierst.
Und schon hast du ein tiefes Verständnis für den Spaßvogel erhalten, der dein Mann ist.

5. Vergangenheit:

In der Vergangenheit sieht es mit der Vaterrolle ziemlich mau aus. Es gibt seit Generationen keine positive Vaterrolle in der Familie. Das bedeutet aber für die jetzigen Väter, dass sie wenig oder gar keine Vorbilder haben. Dadurch rutschen sie oft automatisch in diese Cheerleader- Spaß- Rolle, weil sie nicht sein wollen wie die Väter vor ihnen: abwesend oder brutal.
Das haben wir als Frauen unseren Männern voraus: die Mutterrolle ist zumindest vorhanden auch wenn sie uns nicht immer gefällt. Das bedeutet, es ist unsere Aufgabe, die Vaterrolle herauszuarbeiten. Das geht am besten individuell. Denn auch die klassische Mutterrolle passt noch auf die wenigsten Frauen, insofern wäre es falsch eine klassische Vaterrolle zu erschaffen. Aber es muss uns einfach bewusst sein und klar werden, dass wir es beim Eltern-werden erstmal einfacher haben, als die Männer. Und das wir ihnen somit helfen müssen, anstatt Erwartungen an sie zu hegen, die sie gar nicht kennen.

Wie sieht es in Deiner Familie mit den festen Rollen aus? Kannst du dir vorstellen, dass sie gar nicht so fest sein müssen? Kannst du dir sogar vorstellen, dass auch dein Partner nicht immer nur diese eine Funktion erfüllen möchte?

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