selbstsicher

Wie du selbstsicher wirst und Streit auflösen kannst!

Wenn Du diesen Artikel liest, wirst du selbstsicher und kannst Streit besser entschärfen. Du musst dich nicht mehr so oft minderwertig und schlecht fühlen. Das macht dich freier, stärker und selbstbewußt!
Wie alle Veränderungen, wird dies nicht auf der Stelle so sein. Doch dieser Artikel ist wie ein Samen und kann aufblühen.

Gestern musste ich am Nachmittag zu einer unangenehmen Untersuchung zu einem Facharzt gehen. Ich hatte schrecklich Angst. Wovor? Ich kann es nicht genau sagen. Dass ich Diagnosen wie Krebs, Aids oder den Weltuntergang bekomme? Das ich übermorgen tot bin?
Vielleicht. Vielleicht hatte ich einfach Angst davor, in den Händen eines fremden Menschen zu sein. Kontrollverlust. Tod. Nicht-mehr-ich-selbst-sein.
Dann dachte ich: „Moment. Ich hab gar keine Lust mir und meinen Kindern den ganzen Tag zu verderben, nur wegen so einer kleinen Untersuchung. Wie kann ich das anders hinkriegen?“
Und ich bekam die Antwort: „Du musst innerlich bei dir bleiben. Dann bist du nicht ausgeliefert. Dann weißt du, dass es eben keine große Sache ist, höchstens etwas unangenehm, wie Zahnarzt“.
(Nur nebenbei: die Untersuchung war harmlos, die Diagnose auch)

Eric Berne, der Begründer der Transaktionsanalyse würde wahrscheinlich dazu sagen: „Bleibe im Erwachsenen-Ich“. Das Erwachsenen-Ich ist der Computer, die Datenverarbeitung des Menschen.

Mir geht es um das Ich, was den Menschen als Person, als Erwachsenen, als Reisenden in dieser Welt ausmacht.
Ich – eben.
Das Ich, das man erreicht, wenn man alles andere weggeschält hat: Alle angelernten Verhaltensweisen, die Meinung der „Leute“, die Gesellschaft, Vater und Mutter, der eigene Ehemann/frau, die Nachbarin, die Erfahrungen als Kind. Natürlich gehören auch diese Dinge zu uns. Das kleine Kind in uns, unsere Lernerfahrungen, Glaubenssätze und Kompetenzen, die wir erlernt haben. Doch das, was uns Sicherheit und Ruhe gibt, was uns stark und erwachsen auftreten lässt ist unser präsentes Jetzt-Ich.
Das Ich, das da ist, wenn du mitten in der Nacht geweckt würdest und von einem Außerirdischen gefragt würdest, wer du bist. Mit diesem Erwachsenen, der wir sind, können wir selbstbewusst und selbstbestimmt durchs Leben ziehen. Er kann uns befreien, wenn wir ihn nur oft genug finden und „benutzen“ würden. Wahrscheinlich sollten wir öfters von Außerirdischen in der Nacht geweckt werden, das täte uns sicher gut:-)

Es gibt unzählige Situationen, bei denen wir nicht „bei uns“ sind, nicht „Jetzt-ich“, nicht selbstsicher sind. Die Gründe für ein „Wegrutschen aus sich selbst“ sind so vielfältig, wie die Menschen vielfältig sind. Wenn wir Angst vor einer Situation haben. Wenn wir uns überfordert fühlen. Wenn uns jemand angreift und etwas Schlechtes über uns sagt. Wenn wir uns unterlegen oder hilflos fühlen. Wenn der Tag schlecht anfängt. Wenn wir eine Arbeit haben, die uns nicht gefällt.
Wenn wir Dinge tun „müssen“, die wir nicht wollen. Und viele, viele mehr.

Beispiel:

Nehmen wir das Beispiel „Überforderung“. Ich habe festgestellt, dass ich mich in Situationen überfordert fühle, die mich gar nicht überfordern. Wenn ich sie genau betrachte, sind sie durchaus „machbar“ – auch für mich, mit meinen menschlichen Qualifikationen. Ich bin nur der Meinung, dass diese Situationen mich überfordern und rutsche deshalb in das Gefühl überfordert zu sein. Und schon bin ich nicht mehr in meinem „Ich“ und nicht mehr selbstsicher.
z. B. der Morgen bei uns zu Hause: ich habe drei Söhne und zwei davon gehen in einen Waldkindergarten. Bei minus 5 Grad und Schnee bedeutet das, die beiden Kinder müssen kiloweise Kleider anziehen, damit sie nicht frieren. Auch der Kleinste muss natürlich wenigstens für die Fahrt und das kurze Hinein-Begleiten angezogen werden und ich selbst auch. Das heißt es sind tonnenweise Kleider an 4 Personen zu verteilen und das in einem gut geheizten Haus.
Wie man das so kennt, sind Kinder auch keine Statuen, die ruhig dastehen, bis sie fertig angezogen sind.

Sie rennen durcheinander, verlieren ihre Handschuhe, schreien, liegen auf dem Boden und jammern, streiten sich um ein Legoteil und wollen überdies nicht Zähneputzen. Sie können auf keinen Fall etwas „rosanes“ anziehen, auch nicht als unterste Schicht, weil das ist „Mädchenkram“. Sie wollen natürlich Sandalen tragen und immer Engelbertstraußhosen, egal wann. Sie finden Wollmützen peinlich und Schals uncool und diese eine Wollhose ist auf jeden Fall nur ein Schlafanzug.
Das ist anstrengend und viel Arbeit! Ich muss mich anstrengen. Das müssen die anderen Leute in ihrer Arbeit auch.
Aber es ist machbar. Mit ein bisschen Organisation und Übung und ein paar Tricks.
Danach sitzen alle friedlich im Auto und nicht mal eine halbe Stunde später habe ich Pause und kann mich ausruhen. Welch Luxus.
In meinem Kopf sitzt aber fest die Ansicht: diese Situation ist eine absolute Überforderung für mich. Und das ist sie dann auch. Denn wir Menschen sind ganz gut darin unsere eigenen Prophezeiungen zu beweisen. Das nennt sich dann „selbsterfüllende Prophezeiung“.

Solange ich diese Situation analytisch betrachte und „bei mir“ bleibe, ist es einfach eine Anstrengung, die aber durchaus zu schaffen ist.

Und genau dieses „bei sich bleiben“ können wir üben.

Wir können lernen, die Gründe hinter einem Verhalten zu erkennen. Und uns damit befreien.
In diesem tollen Blog geht es viel um Bedürfnisorientierung bei Kindern. Doch wieso sollte sich diese Sichtweise eigentlich auf Kinder beschränken?! Wir alle sind ja Menschen. Erwachsene auch. Die Autorinnen beschreiben des Öfteren auch Situationen, in denen sie hinter die Kulisse von Erwachsenen blicken, weil sie sich das bei ihren Kindern schon zu eigen gemacht haben.
Und genau dieses „hinter die Kulisse“ blicken, brauchen wir so nötig um uns sicherer und selbstbewusster zu fühlen. Freier, aber auch zugewandter den anderen Menschen gegenüber. Wir brauchen diese Fähigkeit um uns zu verstehen und zu verständigen, aber frei zu bleiben und bei uns.

 

Bedürfnisorientiertes Handeln:

Beim attachment Parenting, oder der bedürfnisorientierten Erziehung geht es darum, die Bedürfnisse der Kinder (aber auch aller Familienmitglieder) zu befriedigen, sie aber auch von reinen Wünschen (mehr Schokolade!) zu filtern. In dem Bedürfnisse von Kindern befriedigt werden, sind diese auch kooperationsbereit und offen für die Bedürfnisse von Geschwistern und Eltern oder auch Personen außerhalb der Familie. Je älter das Kind, desto eher kann es auch mal sein Bedürfnis kurz für das Wohl der anderen zurück stellen. Denn es ist sicher: sein Bedürfnis wird ernst genommen und erfüllt werden.
Die Sichtweise auf das Kind ist hier eben keine defizitorientierte, wie sie leider in unserer Gesellschaft noch recht gut verankert ist, sondern der Glaube daran, das jeder Mensch sich kooperativ und gemeinschaftsfähig entwickelt, wenn seine Bedürfnisse befriedigt wurden und werden.
Um diese Bedürfnisse aber zu erkennen, müssen wir erst mal um die Ersatzhandlungen herum schauen. Und da die wenigsten von uns erwachsenen Menschen in ihrer Kindheit gelernt haben, was ihre Bedürfnisse sind und wie es sich anfühlt sie befriedigt zu finden, fällt es auch den meisten Erwachsenen schwer, offen und frei damit umzugehen. Das heißt, auch (vor allem) Erwachsene machen Ersatzhandlungen.

Beispiel:

Sonntagabend in unserem Hause. Plötzlich wird mein Mann ungeduldig mit den Kindern, stichelt in meine Richtung und meint: „also du musst das jetzt hier machen mit dem Inhalieren, ich hab noch Besseres zu tun!“
Na toll. Besseres. Besseres, als mit seinem Sohn zu inhalieren, damit der nicht die nächste Lungenentzündung kriegt? Danke. Spinnt der eigentlich? Ich koche hier gerade und schleppe den Kleinsten rum. Wie soll ich da jetzt noch nebenher mit einem Kind inhalieren?
Das ist mein wütender Gedankengang, der wie gestochen hochfährt.
Doch einen winzigen Moment bremse ich mich. Nein. Da ist was anderes im Busch. Es ist Sonntagabend. Da gibt es oft Streit. Fast immer.
Klar. Darüber haben wir schon gesprochen. Sonntagabend ist für meinen Mann deshalb blöd, weil morgen die Arbeit wieder anfängt. Er arbeitet gern, aber dann hat er wieder weniger Zeit mit uns. Eigentlich ist er traurig, weil die Zeit mit uns jetzt schon bald vorbei ist und der Alltag wieder losgeht.
Vielleicht muss er auch noch was für die Arbeit erledigen und steht deshalb unter Druck. Jetzt kann ich anstatt hochzufahren und einen Krieg anzuzetteln einen ganz anderen Weg gehen. Ich kann ihn fragen, ob er noch was für die Arbeit tun muss, wie viel das ist und ob ich ihm später noch helfen soll. Oder ich kann ihn einfach fragen, ob er es blöd findet, weil Sonntagabend ist.
Damit kann ich einen Streit verhindern, ohne meine Integrität zu verlieren.
Ich kann „Ich selbst“ bleiben.
Und meinen Mann sehen, wie er wirklich ist: ein Vater und Ehemann, der es liebt, Zeit mit uns zu verbringen!
Und kein Blödmann der „noch Besseres“ zu tun hat.
Das Verhalten meines Mann war also Folgendes: er fühlte sich gestresst, weil er morgen wieder Arbeiten musste, weil er noch etwas erledigen musste für die Arbeit. Dabei stand ihm das Inhalieren im Weg, also sein kleiner Sohn, und ich, denn ich hatte ihn darum gebeten. Er spürte den Druck, sah aber für sich keinen Ausweg, denn er wollte weder mich, noch seinen Sohn enttäuschen. Mit einer Absage an uns, hatte er Angst vor dem Urteil: „schlechter Vater, schlechter Ehemann, Note 6, setzen!“ (so lernen wir es in der Schule)
Der Druck war aber doch zu groß, verbunden mit dem Frust über das morgige Arbeiten. Der Grund für den Druck war ich (weil ich gesagt hatte, er solle mit dem Kleinen inhalieren). So empfand er es in diesem Moment. Also musste er mich treffen und so explodierte er in meine Richtung: „Ich hab noch Besseres zu tun“.
„Ich hab noch Besseres zu tun“ – Bam. Das ist also die Kulisse, hinter die ich als Partnerin blicken kann, wenn ich mich nicht gekränkt verteidige oder zurück schlage. Dort sehe ich einen gestressten Menschen der unter Druck steht und traurig ist.

Jetzt kannst du natürlich argumentieren, dass du ja nicht der Therapeut für alle sein willst, der nicht emotional, sondern rational reagiert und analysiert. Davon abgesehen, das ständiges Analysieren auch die meisten Menschen nervt (das weiß ich aus Erfahrung:-)).
Die Situation entschärft sich aber auch für dich selbst. Zuerst hatte ich den Angriff „Ich hab noch Besseres zu tun, diese Familie ist mir sowieso nicht wichtig, du bist mir nicht wichtig, du bist minderwertig und die Kinder auch“ (was nicht gesagt wurde, was ich aber heraus hören kann) Dieser Angriff verletzt mich, was er ja auch sollte. Wenn ich ihn aber entschärfe, in dem ich dieses Säbelrasseln zur Seite schiebe und dahinter sehe, dann wachse ich ja auch selbst wieder aus dem verletzten Minderwertigen heraus zu mir selbst, dem Erwachsenen, der verstehen kann, woher der Druck kam.
Ich muss also nicht mit der Peitsche zurück schnalzen und sagen: „Klar, dir ist ja auch scheiß egal, ob der Kleine wieder Lungenentzündung kriegt!“
Ich kann mich aber trotzdem äußern: „Was du gesagt hast ist verletzend. Ich vermute aber, das du unter Druck stehst wegen deiner Arbeit morgen!“

Bleibst du in der Verletzung hängen, fühlst du dich zurückgestoßen und minderwertig. Deine Antwort löst den Supergau aus. Der Krieg tobt und das wird euch alle treffen.
Kommst du aber selbst wieder aus der Verletzung heraus zu dir selbst und betrachtest die Situation, kannst du das Ruder noch herum reißen und Verständnis und Liebe fließen lassen.

Und so kannst du natürlich auch mit anderen Menschen außer deinem Partner umgehen. Der mosernde Chef, die vergleichende andere Mutter, deine eigene Schwiegermutter, dein Nachbar. Du kannst es schaffen, ihre scheinbaren Angriffe als Minderwertigkeitsgefühle zu entlarven. Du musst dies nicht verbal tun und ganz sicher nicht „um es ihnen zu zeigen“ oder „heimzuzahlen“. Du kannst es für dich tun und damit dein eigenes Leben selbst-bewußter, selbstsicher und freier gestalten. Dann bist du weniger der Spielball für Angriffe.
Natürlich kannst du auch dein eigenes Verhalten auf diese Weise ansehen: Selbst-bewußt. „Wieso fühle ich mich an dieser Stelle minderwertig? Wieso schreie ich hier immer die Kinder an? Wieso verletze ich immer an dieser Stelle meinen Partner?“ Wenn du den Grund dahinter findest, wirst du dich weniger selbst für dein Verhalten hassen müssen. Du wirst weniger Eigenkrieg führen müssen. Und du kannst es schaffen, einmal weniger die Kinder anzuschreien, oder die andere Mutter zu piesacken. Du kannst sogar zu einer blöden Untersuchung hingehen, im Wartezimmer ein spannendes Buch lesen (was du in der Zeit zu Hause nie geschafft hättest bei 3 Kindern) und damit umgehen, das etwas Unangenehmes folgen wird, das aber auch vorbei geht.

 

Ich hoffe, der Same konnte gepflanzt werden,
Susanne

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